Horror-Story: Below Good & Evil

Horror-Story: Below Good & Evil

Weltpremiere! Wir präsentieren dieses Jahr eine noch nie veröffentlichte Horror-Story mit dem Titel "Below Good & Evil" von Francis & Coleen Cliffwater!

Ab dem 1. Oktober findest Du hier nach und nach alle Kapitel der spannenden Horror-Mystery-Story, die Dich jeden Tag aufs neue mit Unerwartetem konfrontieren wird und Dir eine Gänsehaut bringen wird.

Auf dieser Seite findest Du nach und nach alle Kapitel der Reihe nach jeden Tag, bis die Story am Ende angekommen ist.

Sieh einfach jeden Tag wieder vorbei, um zu erfahren, wie es weitergeht. Wir wünschen Dir gute Unterhaltung!

Wenn die Geschichte am Ende angekommen ist stellen wir sie auch als ein komplettes PDF zur Verfügung, das Du auch ausdrucken kannst.

Kapitel 1: Das Haus im Wald

Veröffentlicht: 1. Oktober 2019 Ein Donner in der Ferne. Nicht unüblich in Schottland im Oktober. Erst recht nicht im Jahr 2019. Nicht mehr lange und es würde wohl anfangen zu regnen und das laute Rauschen der durch den Wind hin- und hergerissenen Blätter an den Bäumen durch ein zusätzliches Prasseln der Regentropfen ergänzt werden. Aber noch - so hofften die drei Freunde zumindest - wäre es nicht soweit gewesen, als sich sich mühsam durch die Landschaft kämpften, während sie den von den Regenschauern der letzten Tage aufgeweichten Boden bei jedem Schritt unter sich spürten. Bald hatten sie es endlich geschafft, zumindest für den heutigen Tag. “Hey, sieht aus als hätten wir es gleich geschafft. Seht ihr da vorne?” sagte Florian, der sich dabei nach hinten drehte und genervt stehen blieb. “Hallo, ihr da hinten. Kommt ihr auch mal?” Ungefähr fünfzig Meter entfernt saß Marvin auf einem Baumstamm und Lea, mit der er sein wenigen Wochen zusammen war, stand neben ihm und sprach mit ihm. Florian konnte nicht hören, was sie besprachen. Als sie nach einigen Sekunden immer noch nicht reagierten lief er mit schnellen Schritten zu ihnen. Mit seinen fast zwei Metern und seinem gut trainierten Körper war er - zumindest was die Durchführung anging - der Anführer der drei. Seine nur wenige Millimeter langen Haare und seine dunklen großen Augenbrauen flößten Respekt ein. Als er bei den beiden angekommen war hörte er etwas, was ihn noch mehr aufregte. “Ja ja, nur noch einen kleinen Moment, wir können gleich weiter gehen!” rief Marvin Florian zu, als er ihn ankommen sah. “Dann lass mich Dir doch etwas abnehmen!” sagte Lea zu Marvin. “Nein, nein, ich schaffe das schon. Ich brauchte nur eine kurze Pause.” Dann stand er auf. Lea half ihm dabei. “Okay, Rotschopf, aber jetzt mal ein bisschen schneller.” Marvin runzelte die Stirn und rückte seine Brille zurecht. Wieder einmal fragte er sich, warum er und Lea ausgerechnet Florian zu ihrem Lost-Place-Urlaub in Schottland mitgenommen hatten. Er strich sich durch seinen roten Vollbart, der auch einmal wieder geschnitten werden müsste. Ja, er war schon ein Hipster-Typ, auch wenn Lea sich noch nie mit seinem Bart anfreunden konnte. Florian war schon wieder eine ganze Strecke voraus und schüttelte den Kopf, als er sich umdrehte und sah, dass die beiden wieder weiter hinter ihm zurückgefallen waren. Lea war das ganz recht, genoss sie doch jede einzelne Minute wenigstens etwas allein mit Marvin. Ihr Rucksack war kleiner als der von Marvin, doch sie war der Typ, der sich immer gerne für andere aufopferte und so hätte sie auch mehr getragen, nur damit es Marvin besser gehen würde. Sie zog die weiße Mütze etwas stärker nach unten und schob den weißen Schal wieder etwas nach oben. Es war kalt und windig und schon bald würde es dunkel werden. “Du musstest ja auch unbedingt diese Riesendrohne mitnehmen!” sagte sie leise, aber bestimmt. “Jetzt lass uns nicht wieder darüber reden, Du weißt doch, dass ich nur mit dieser die besten Aufnahmen machen kann. Ja, sie ist schwer und ja, sie nimmt viel Platz weg, aber…. Ahhhh!” entgegnete Marvin sichtlich genervt! Lea schmunzelte “Weiß ich doch, es macht nur immer so viel Spaß, dich damit aufzuziehen!” Marvins Ärger verwandelte sich in ein Lächeln. “Kuss!” forderte Lea von ihm ein. Dem kam er gerne nach. Es wurde langsam dunkler, aber so recht wusste keiner, ob das an der Uhrzeit oder vor allem an den aufziehenden dunklen Wolken lag. “Schottlandwetter! Den ganzen Tag grauer Himmel und kein Regentropfen!” sagte Marvin. Lea griff nach seiner Hand. “Ah, Händchen halten!” sagte Marvin. “Aber viel wichtiger ist, den richtigen Weg zu kennen! Sieht Du da vorne in den 3 Kilometern Entfernung das wichtigste überhaupt hier?” “Was denn?” fragte Lea. “Na, Florian! Oder sind das schon 4 oder 5 Kilometer, die er da vor uns ist?” “Ach, jetzt lass ihn. Ja, er ist kein einfacher Mensch, aber ohne ihn wäre vieles schwerer gewesen.” “Schon klar: ich plane die Tour, er macht den Weg frei und Du… nun, Du bist einfach wunderschön!” “Ich möchte Euch ja nur ungern stören beim turteln, aber ich denke wir sind da!” rief Florian sichtlich übertrieben durch den Wald. Marvin und Lea gingen nun deutlich schneller in Richtung Florian. Als sie bei ihm eintrafen, sahen sie das große Herrenhaus. Halb versteckt im Wald auf einer Lichtung stand es vor ihnen. Ein lautes Donnern unterbrach das Rauschen der Bäume. “Das ist ja wie in einem Horrorfilm” scherzte Lea. Etwas abseits auf der linken Seite sahen sie ein kleineres teilweise zugewachsenes Haus, das wie das große Herrenhaus ziemlich verlassen aussah. Das Gelände erstreckte sich weiter in den Wald hinein und war von einer großen Mauer aus Ziegelsteinen umgeben, von denen einige schon im Laufe der Jahre herausgefallen waren. Ein eisernes Tor - welches glücklicherweise geöffnet war - sowie links und rechts des Tores ein großes verziertes “D” auf der Mauer bestätigten, dass sie am Ziel waren. “Genau, wie ich es online gelesen habe.” sprach Marvin. “Echt beeindruckend!” sagte Lea, während ihr Blick über das Gelände streifte. Marvin beeilte sich, seine Drohne aus dem Rucksack zu holen. “Na, im Stress?” scherzte Florian. “Nicht wasserdicht?” “Nein, die Drohne ist nicht wasserdicht, Herr Anführer!” teilte Marvin aus. “Kommt, Kinder, vertragt Euch wieder!” versuchte Lea zu beruhigen. “Ja ja, später.” entgegnete Marvin, sichtlich genervt. Nach wenigen Minuten hatte Marvin die Drohne einsatzbereit und ließ sie einmal quer über das Gelände fliegen. Etwas weiter abseits des Gebäudes auf der rechten Seite befand sich noch ein Stück Wald und ein weiteres kleines Gebäude. Er lenkte die Drohne nah an das Herrenhaus heran und flog an den Fenstern entlang. Viel war nicht zu sehen - es war einfach schon zu dunkel. Dann ließ er die Drohne einmal so hoch wie es ging über das Anwesen fliegen, um einen Überblick zu bekommen. Er freute sich schon darauf, sich die Aufnahmen später auf seinem Notebook anzusehen, um mehr Details zu erkennen. Lea war währenddessen zu Florian gegangen, der auf der Treppe des Herrenhauses saß. Sie wollte seine Meinung hören: “Schaffen wir das heute noch? Also zum B&B zu kommen?” “Ich denke nicht. Wenn das gleich anfängt zu regnen und dunkel wird wird das kein Spaß!” Lea war enttäuscht. Sie hatte gehofft, dass sie nach zwei Tagen Wanderung mit Übernachtung im Zelt mal wieder normal schlafen und duschen konnte, denn sie war definitiv kein Outdoor-Fan. “Wir sollten uns das Haus jetzt von innen ansehen. Wenn wir darin unsere Schlafplätze aufbauen, sind wir auf jeden Fall vor dem Wetter gut geschützt.” Die ersten Regentropfen waren schon auf den Blättern zu hören. Als Marvin dies bemerkte, ließ er die Drohne noch einmal schnell nah über das Dach fliegen. Dann ließ er sie zurückkommen und begann damit, sie einzupacken. Plötzlich wurde der Regen stärker und der Wind nahm deutlich zu. Hektisch schwang er den Rucksack auf den Rücken, griff nach der Drohne und rannte auf das Haus zu. Florian hatte die große Tür schon geöffnet und die drei gingen schnell hinein. Mit lautem Quietschen fiel die Tür ins Schloss. Nur wenig Licht drang von draußen hinein. Florian hatte seine Taschenlampe schon eingeschaltet, während Lea und Marvin noch dabei waren, ihre Taschenlampen herauszuholen. “Kannst Du mal hier kurz leuchten, Florian?” fragte Lea. “Yes, M`am!” hörte man Florian sagen, während der Schein der Taschenlampe sich in die Richtung der beiden drehte. “Hast Du die Sonne eingepackt?” fragte Lea scherzhaft, die sichtlich geblendet mit den Augen zwinkerte. “Hat Mr. Survival keine Taschenlampe dabei?” “Doch, hat er, er war gerade nur noch etwas drohniert!” rief Marvin scherzhaft in Richtung Florian. Marvin war zwar kein echter Survival-Typ oder gar Bushcrafter, aber er wollte sich immer so fühlen und hatte daher seine kleine Tasche mit allen wichtigen Utensilien immer dabei. “Alles in meinem EDC Kit!” Als er die Taschenlampe herausgenommen hatte schaltete er sie ein und leuchtete in Richtung Lea. “Alles ok!” rief er Florian zu. Draußen wurde es noch dunkler und der Regen peitschte gegen die Scheiben. Die Tür des Hauses klapperte im Wind. Die drei betraten die Eingangshalle. “Wow, ganz schön beeindruckend!” sprach Marvin, als der Kegel seiner Taschenlampe über die große Treppe streifte. Nach links und rechts oben verlief eine breite Treppe. Der rote Teppich, der auf den Stufen zu sehen war, hatte die besten Zeiten allerdings schon lange hinter sich. Marvin kramte in seiner Tasche und holte seine Action-Cam heraus. Ein Piepen unterbrach die bedrückende Stille, als er sie einschaltete und mit einem speziellen Band an seiner Stirn befestigte. Dies wollte er unbedingt aufnehmen! Lea blieb nah bei Marvin und hielt seine Hand fest. Dies war kein Ort für sie. “Was tut man nicht alles aus Liebe” dachte sie. An den Wänden war die Farbe teilweise abgerollt durch die Feuchtigkeit. Alte Bilder hingen an den Wänden, auf denen Landschaften und Abbildungen von Menschen zu sehen waren. Ein Geruch von altem feuchten Holz streifte durch das Haus, getragen vom Wind, der durch etliche Ritzen an Fenstern hindurch zog. Sie gingen die große Treppe hinauf. Das Knarzen des Fußbodens unterbrach zeitweise das Unwetter draußen, das immer schlimmer zu werden schien. “Erzähl etwas!” drängte Lea beängstigt Marvin, der ganz in seinem Abenteuer-Modus war. “Ok, ich konnte nicht viel über dieses Haus herausfinden. Viele - so habe ich zumindest gelesen - meiden dieses Haus, aber ich konnte keinen wirklichen Grund herausfinden. Es gibt wohl so eine ‘Lost-Place-Legende’, dass hier etwas schlimmes geschehen sein soll. Und jetzt sollen Geister und so hier spuken.” Leas Händedruck war ruckartig fester geworden. “Danke, genau das habe ich jetzt gebraucht!” “Sorry, ich dachte, es interessiert Euch.” “Ich find’s interessant, aber so ein Geisterblödsinn interessiert mich nicht. Aber vielleicht finden wir hier irgendwelche eingetrockneten Leichen oder so.” “Flo, Du bist ekelhaft!” rief Lea und sah Florian verächtlich an. Sie sahen sich viele Räume an - das Haus hatte einiges zu bieten. In einem Raum, der wohl eine Art Wohnzimmer war, fanden Sie einige alte Dokumente und Fotos. “Hier ist eine ziemlich alte Postkarte vom Haus. ‘Greetings from Drysdale Manor’ steht darauf. Muss wohl etwas besonderes gewesen sein, wenn man damals Postkarten gedruckt hat.” “Vielleicht ein Hotel oder so” meinte Lea. “Ja, möglich. Oder man konnte es sich ansehen, historisches Haus und so” sagte Florian. “Das muss so vierzig bis fünfzig Jahre alt sein!” sagte Marvin, während er in einer alten Truhe herumwühlte. “Lasst uns noch die anderen Räume ansehen, wir können das morgen auch noch alles im Hellen ansehen. Wir müssen einen Platz für unser Lager finden!” “Unser Lager? Ich dachte, wir gehen gleich noch weiter zum Bed & Breakfast!” sagte Marvin verwundert. “Du kannst ja gerne gehen, Marvin, aber ich werde hier bleiben. Da müssten wir noch mindestens ein bis zwei Stunden laufen und bei dem Wetter ist das zu gefährlich! Schon mal was von Blitzschlag gehört?” Mit einem lauten Ausatmen ließ Marvin seinen Frust heraus, sah aber auch ein, dass es zu gefährlich wäre. “Ok. Dann sollten wir am besten hier das Lager aufschlagen.” Er legte seinen Rucksack auf den Boden. Lea tat es ihm gleich. “Ich finde das auch einen guten Platz, aber wir sollten uns trotzdem erst einmal alle anderen Räume ansehen, um sicherzugehen, dass es keinen besseren gibt und wir außerdem sicher sein können, dass wir hier wirklich alleine sind!” sagte Florian. “Ja, auf jeden Fall! Wenn hier noch jemand ist, dann….” schoss es aus Lea heraus und sie musste sich schütteln. “Dann lassen wir unsere Sachen hier, bevor wir weitergehen, oder? Die müssen wir ja nicht mit uns herumschleppen!” ergänzte sie. Florian und Marvin stimmten zu. Marvin ließ es sich aber nicht nehmen, seinen kleinen Survival-Rucksack mitzunehmen. “Falls wir spontan überleben müssen” war seine Antwort auf die Frage, die er den verwunderten Blicken von Lea und Florian entnehmen konnte. In der obersten Etage fanden sie noch eine Treppe, die wohl zum Dachboden führte. Diese Tür war aber verschlossen, weshalb sie wieder nach unten gingen. Als sie in den Keller gehen wollten war für Lea eigentlich klar, dass sie nicht mitgehen würde. Als ihr allerdings klar wurde, dass sie dann alleine sein würde, während sie auf die beiden wartete, entschloss sie sich, doch mitzugehen. “Ich bleib ganz nah bei Dir!” sprach sie mehr bestimmend als fragend zu Marvin. “Ist ja nicht so, als ob mich das stören würde, Lea!” antwortete er und drehte dabei seinen Kopf in ihre Richtung. Sie zwinkerte ihm zu. Als sie die Treppe in Richtung Keller hinuntergegangen waren mussten sie leider feststellen, dass die Kellertür verschlossen war. “Seht ihr das?” fragte Marvin. “Was denn?” fragte Lea verwundet. “Ja, stimmt.” Bemerkte Florian. “Hier sind Fußspuren zu erkennen, so als ob jemand hier vor kurzem noch gewesen ist.” “Danke! Ich gehe wieder nach oben!” rief Lea und war schon auf der Treppe auf dem Weg nach oben. Plötzlich hörten sie, wie etwas laut quietschte. “Die Eingangstür! Lea?” rief Marvin. “Lea?” die beiden stürmten nach oben. Marvin sah noch, dass eine seltsame Gestalt im Türrahmen stand und etwas wie eine alte Laterne in der Hand hielt. Bevor er die letzte Stufe genommen hatte hatte Florian ihn schon überholt. “Weg hier” rief Marvin und war so schockiert, dass er die letzte Stufe übersah und kläglich zu Boden fiel. Schmerzerfüllt versuche er aufzustehen, während Lea zu ihm eilte. Sie versuchten zu entkommen, doch Marvin konnte nicht so schnell laufen. Die Gestalt kam langsam auf sie zu.

Kapitel 2: Die erste Nacht

Veröffentlicht: 2. Oktober 2019 “Was macht ihr hier?” schrie die seltsame Gestalt. Marvin hatte sich schmerzerfüllt auf den Boden gesetzt. Florian leuchtete mit seiner Taschenlampe in Richtung der Gestalt und sah dann, dass es sich um eine ältere Frau handelte, die eine ziemlich alte Laterne in der Hand hielt. “Was machen sie denn hier?” fragte er genau so energisch zurück. “Hören Sie auf, mich zu blenden!” schrie die Frau wuterfüllt. Florian senkte den Schein der Taschenlampe etwas nach unten. “Mir gehört dieses Haus. Mir gehört dieses ganze Anwesen!” rief sie den dreien entgegen. Lea hatte sich mittlerweile zu Marvin gesetzt und versuchte ihm zu helfen. “Verschwindet hier! Ich will Euch hier nicht mehr sehen!” sagte die ältere Frau, die Florian auf ungefähr 60 Jahre schätzte. Sie war ungefähr 1,65 Meter groß, hatte weiße oder sehr hellblonde Haare und ein rundes Gesicht. “Haben Sie irgendwelche Beweise, dass dies Ihr Haus ist?” rief Marvin ihr entgegen, der mittlerweile aufgestanden war und schmerzerfüllt in ihre Richtung humpelte. “Marvin, nicht!” rief Lea und versuchte ihn zurückzuhalten. “Nun?” sagte er, als er nur noch einen Meter von ihr entfernt stand. “Es ist eine Unverschämtheit…” Marvin hatte seine Mütze abgenommen. Er ging noch näher zu ihr, bis er mit seinem Gesicht nur noch etwa 30 Zentimeter von ihr entfernt war. Sie hielt einen Moment inne. “Nun…” “Du, Du bist verletzt wie ich sehe.” “In… in diesem Fall bitte ich Euch um Entschuldigung. Ich bin immer sehr verärgert, wenn hier Jugendliche hinkommen und mein Eigentum beschädigen und zerstören!” Marvin runzelte die Stirn. “Ihr seht mir aber nicht so aus, wenn ich Euch so ansehe.” “Stimmt. Wir sehen uns solche Orte an, fotografieren und filmen sie und dann sind wir wieder weg.” Sie sah ihn von oben bis unten an. “Ja, ja, Du bist etwas besonderes.” entgegnete sie offenbar verwirrt. “Kommt erst einmal mit ins Haus. Dann sehen wir weiter.” sagte sie und ging aus dem Haus und deutete den dreien, ihr zu folgen. Erneut knarrte die Tür laut. Die drei folgten ihr verwundert. Lea versuchte Marvin abzustützen, doch er wollte alleine gehen. Und so humpelte er hinter den anderen her. Zur Verwunderung der drei steuerte die alte Dame auf das zugewachsene kleinere Haus etwas abseits zu. “Hä? Was ist denn jetzt los?” flüsterte Florian den beiden zu. Als sie näher kamen sahen sie, dass das Haus doch nicht so heruntergekommen und ungenutzt war wie sie zuerst gedacht hatten. Die Dame öffnete die Tür und bat die drei hinein. Sie schien wie ausgewechselt zu sein. “Bitte setzt Euch doch!” sie zeigte auf die Eckbank in der Küche. Lea, Florian und Marvin setzten sich auf die Bank, während die Dame den Raum verließ. Marvin holte aus seinem Survival-Rucksack, den er noch immer bei sich trug, ein Schmerzgel und trug es auf seinen Knöchel auf. “Es ist wohl nix schlimmes” sagte er zu Lea, die ihn sorgenvoll anblickte. “Hoffentlich!” antwortete sie ihm und legte ihre Hand auf seine Schulter. Nach kurzer Zeit kam die Dame zurück und hatte einen kleinen Erste-Hilfe-Koffer dabei. “Hier, da müsste etwas drin sein, dass Dir helfen kann” sagte sie und drückte Marvin den Koffer in die Hand. “Danke, aber ich habe schon etwas.” “Nun gut, aber man kann nie genug Verband benutzen!”. “Bitte entschuldigt noch einmal mein Verhalten vorhin. Ich war so verärgert, da hier schon so viel zerstört wurde.” Sie blickte in die Runde. Etwas ungläubig sahen die drei sie an. “Also ihnen gehört das ganze Anwesen hier?” unterbrach Florian die Stille. “Ja, das ist schon seit Jahrhunderten in Familienbesitz. Aber seht: ich bin eine alte Frau und so kann ich mich nicht um das große Haus kümmern. Daher wohne ich hier im ehemaligen Bedienstetenhaus. Leider verfällt es daher immer mehr.” “Warum verkaufen sie es dann nicht?” fragte Lea. “Ich darf nicht. Das ist im Erbe so festgelegt. Es muss immer weitergegeben werden.” “Wir haben von gruseligen Geschichten gehört, die sich um das Haus ranken. Können Sie uns etwas dazu sagen?” fragte Marvin sie. “Alles Blödsinn. Es gibt zwar eine Legende um einen Schatz, aber auch das ist blanker Unfug!” Sie sah Marvin mit einem bösen Blick an. “Nimmst Du das etwa alles auf?” Sie blickte Marvin leicht verärgert an, der erst jetzt bemerkte, dass seine Action-Cam immer noch eingeschaltet war. Er nahm sie vom Kopf herunter und schaltete sie aus. “Sorry. Hatte ich vergessen!” “Alles löschen, was Du hier von mir aufgenommen hast!” “Ja ja, mache ich später!” “Nein, jetzt. Ich muss darauf bestehen!” Genervt wählte Marvin die letzte Aufzeichnung aus und löschte sie. “Alles gelöscht!” “Ok, danke!” Die drei wunderten sich über ihr Verhalten. “Was wolltet Ihr denn hier genau?” fragte sie. “Nun, wir wollten uns das Haus ansehen, ein paar Fotos machen und ein paar Videos.” antwortete Marvin. “Und dann wieder gehen?” fragte sie. “Ja, wobei wir heute im Haus übernachten wollten, da wir es nicht mehr bis zum B&B geschafft hätten bei dem Unwetter. Blitz und so.” Sagte Florian. “Das wäre viel zu gefährlich.” ergänzte Lea. “Im Haus übernachten geht auf keinen Fall, aber ihr könnt diese Nacht hier bleiben und dann sehen wir weiter. “Hier?” fragte Marvin verwundert. “Ja, das Haus ist klein, aber ich bereite ein Zimmer für Euch vor, wenn ihr wollt.” “Das wäre unglaublich nett von Ihnen!” sagte Lea und sah sie dabei mit einem Lächeln an. Sie starrte Marvin an, offenbar ohne es zu bemerken. “Bitte?” fragte Marvin sie. “Oh, Entschuldigung. Ich habe nur Deine blauen Augen gesehen. Sehr selten - rote Haare und blaue Augen zusammen.” “Ja, nur 0,17% aller Menschen haben rote Haare und blaue Augen zusammen” sagte Marvin ihr. “Ach, tatsächlich, ja?” antwortete sie. “Möchtet Ihr noch etwas essen? Ich habe noch etwas Haggis übrig.” “Öhm…” Lea schluckte “Nein danke, das ist sehr nett, aber wir haben selbst etwas dabei.” “Nun gut, dann mache ich einen Raum für Euch fertig. Bitte wartet hier.” Sprach sie und verschwand in die 1. Etage. “Was meint Ihr?” fragte Marvin. “Die ist irgendwie komisch. Und plötzlich so verändert!” sagte Florian. “Na ja, sie ist schon alt. Und wenn sie hier wirklich alleine lebt.” meinte Lea. “Dann sind wir alle der Meinung, dass wir diese Nacht hier bleiben, ja?” fragte sie die beiden. “Klar, ich kann heute nicht mehr laufen, aber das sollte morgen hoffentlich wieder besser gehen.” antwortete Marvin. “Von mir aus. Auf jeden Fall besser als im Haus zu schlafen.” sagte Florian. “Dann sehen wir uns das Haus morgen am Tag nochmal an, oder?” fragte Marvin. “Ja klar” antwortete Florian. “Dann sollten wir noch unsere Rucksäcke holen!” meinte Lea. “Ich mach das!” sagte Florian, stand auf und war schon draußen. “Ist wirklich alles in Ordnung?” fragte Lea Marvin. “Ja, wird schon wieder.” Sagte er zu Lea und küsste sie auf den Mund. Nach einigen Minuten kehrte Florian zurück. “Hat aber lange gedauert!” sagte Marvin zu Florian. “Nö!” sagte er und setzte sich wieder an den Tisch. Kurz darauf kam die Dame wieder zurück. “So, ich habe oben ein Zimmer für Euch vorbereitet. Kommt, ich zeige es Euch.” Die drei nahmen ihre Sachen und folgten ihr nach oben. Sie führte sie in ein kleines Zimmer mit zwei Einzelbetten. “Einer von Euch muss auf dem Fußboden schlafen.” “Ich hab ja meinen Schlafsack” sagte Florian und warf seinen Rucksack zwischen die Betten. Nachdem die Dame ihnen noch das Badezimmer gezeigt hatte war die Zeit mit ihr für diesen Tag erst einmal vorbei. Lea lag in ihrem Bett und las in einem Roman weiter, den sie in ihrem Rucksack für den Urlaub mitgenommen hatte. Florian spielte ein Spiel auf seinem Smartphone und Marvin hockte auf seinem Bett und starrte auf sein Notebook. Er hatte sich die Aufzeichnungen der Drohne angesehen und spielte immer wieder die gleiche Szene ab. “Was ist denn los?” fragte Lea. “Ich habe mir die Aufnahmen von der Drohne angesehen und da ist etwas, dass sehr komisch wenn nicht unheimlich aussieht!” antwortete er. “Der Geist von Drysdale Manor! Huhuuuu!” ulkte Florian herum, als er kurz von seinem Handy aufblickte und dann weiter spielte. “Zeig doch mal!” sagte Lea zu Marvin. “Hier!” sagte er und setzte sich neben Lea auf das Bett. “Guck mal genau hier an der Stelle. Sieht das nicht so aus, als ob da jemand ist?” “Gruselig! Sieht schon irgendwie komisch aus. Wie eine … alte Frau?” Jetzt wurde es Florian zu viel: “Lass mich auch mal sehen!” Er setzte sich neben Marvin und sah sich die Aufnahme an. “Ich würde ja sagen: optische Täuschung. Außerdem ist das Bild ziemlich dunkel - da sieht man schon gerne mal Dinge, die nicht da sind.” Meinte er. “Ja, stimmt auch wieder” entgegnete Marvin. “Sehen wir uns morgen als erstes an, ok?” fragte er in die Runde. Die beiden stimmten zu. Und so ging der erste Tag zu Ende.

Kapitel 3: Wahrheiten

Veröffentlicht: 3. Oktober 2019 Der nächste Morgen schien einen schönen Tag anzukündigen. Die Sonnenstrahlen schienen durch das kleine Fenster in dem Zimmer, in dem die drei die Nacht verbracht hatten. Die Dame hatte für die drei ein Frühstück zubereitet: Porridge und Tee. Sie saßen zusammen am mittlerweile gewohnten Tisch in der Küche und aßen genüsslich das schottische Frühstück. “Es würde mich freuen, wenn ihr noch eine Nacht hier bleiben würdet. Ihr könntet mir bei etwas helfen.” begann sie das morgendliche Gespräch. “Wobei können wir ihnen denn helfen?” fragte Florian. “Das… das erkläre ich Euch, wenn ich wieder zurück bin. Ich muss nämlich heute einmal in die Stadt fahren.” “Womit denn?” fragte Marvin erstaunt. “Mit meinem Auto.” antwortete sie. “Wo steht das denn?” fragte Marvin. Lea warf ihm dafür einen bösen Blick zu, den er aber nicht bemerkte. “Etwas entfernt, aber nicht weit.” Damit war das Gespräch zu diesem Thema auch schon beendet. Nach etwa einer Minute Stille fragte Marvin sie “Seit wann steht das Haus denn leer?” “Oh, schon sehr lange. Ein paar Jahrzehnte oder so. Ich weiß es nicht mehr so genau. Mein Alter, wisst ihr.” antwortete sie. “Wir haben uns gestern das Haus ja genauer angesehen, bevor sie gekommen sind. Sowohl Keller als auch Dachboden sind abgeschlossen. Was befindet sich denn dort.” fragte Florian. “Da ist nichts besonderes. Ich weiß auch gar nicht mehr, wo der Schlüssel ist.” “Wir haben da nämlich etwas gesehen?” sagte Marvin. “Auf dem Dachboden oder im Keller?” fragte die Dame. “Auf dem Dachboden” antwortete Marvin. “Aber der ist doch abgeschlossen, habt ihr doch gerade gesagt.” entgegnete sie. “Ja, wir haben das von draußen gefilmt. Mit der Drohne.” Versuchte Marvin ihr zu erklären. “Drohne?” fragte sie und wusste nicht, was das war. “Aus der Luft von draußen.” versuchte Marvin zu vereinfachen. “Wollen sie das einmal sehen?” fragte er. “Wenn ihr unbedingt meint, aber da oben ist absolut gar nichts!”. Marvin holte sein Notebook und schaffte etwas Platz auf dem Tisch - beinahe wäre dabei sein Porridge auf dem Boden gelandet. Er startete das Video und sie schreckte zusammen. “Eine alte Frau, die mit einem Waschbrett Wäsche wäscht?!” rief sie erschrocken. Marvin sah es sich direkt noch einmal an. “Nun ja, wenn sie meinen. Ich kann nichts genaues erkennen, es sieht nur so aus, als ob da jemand wäre.” “Nein, nein, nein! Mach das aus. Das kann nicht sein! Das darf nicht sein!” Sie wirkte völlig verstört auf die drei. “Ist mit ihnen alles in Ordnung?” fragte Lea sicherheitshalber nach. “Nein, ähm, ja. Also… Also ich fahre dann jetzt in die Stadt und komme erst spät wieder.” Sie stand plötzlich auf, nahm ihre Tasche und verließ das Haus. Florian folgte ihr heimlich aus dem Haus. Er sah, dass sie durch den Wald ging und folgte ihr etwa einhundert Meter weit. Dann ging er zu den anderen zurück. “Und?” fragte Lea neugierig. “Na ja, sie ist in den Wald gegangen.” antwortete er. “Und dann?” fragte Marvin neugierig. “Nichts dann, dann bin ich hierher zurückgekommen.” antwortete er. Marvin stand auf und wollte schnell hinauslaufen und selbst nachsehen, als ihn sein Knöchel wieder an den Unfall des Vorabends erinnerte. “Mist!” fluchte er. “Geht’s denn immer noch nicht besser?” erkundigte sich Lea bei ihm. “Doch, aber noch nicht gut genug, als dass ich damit schnell laufen könnte. Gehen geht, aber nicht schnell.” Marvin nahm wieder Platz. “Wenn sie erst heute Abend wiederkommt haben wir ja genug Zeit, das Haus im Hellen zu erkunden.” schlug Marvin vor. Lea und Florian nickten im zu. “Aber was war denn gerade mit ihr los? Die ist irgendwie so ein bisschen verrückt, oder?” fragte Florian. “Vielleicht auch einfach nur abergläubisch. Denkt dran: wir sind hier in Schottland - da sind die Leute abergläubischer als bei uns. Glauben an Feen und so etwas.” ergänzte er. “Aber das mit der Frau mit dem Waschbrett. Also wenn ich mir das Video so ansehe… ja, das könnte passen” sagte Marvin. “Quatsch!” entgegnete Florian genervt. Sie räumten noch das Geschirr ab. Marvin spülte ab und Lea und Florian kümmerten sich um das Zimmer. Als alles wieder ordentlich war gingen sie bei Tageslicht in das alte Herrenhaus. Marvin ließ sich nicht davon abbringen, seinen kleinen Rucksack mitzunehmen. Florian drückte die Klinke herunter. Erneut quietsche die Tür laut. “Bei Tag sieht das irgendwie nicht mehr wirklich gruselig aus” meinte Lea, die sichtlich entspannter als in der Nacht zuvor war. “Ich glaube jetzt können wir auch getrennt durch das Haus gehen, oder? Oder hat jemand Angst vor dem schwarzen Mann?” scherzte Florian. “Klar” antwortete Florian. Und auch Lea war damit einverstanden. Und so machten sie sich getrennt auf den Weg durch das Haus. Florian ging als erstes in den Keller, weil er sich die Tür noch einmal genau ansehen wollte. Seine Taschenlampe hatte er dabei - denn Strom war in diesem Haus abgestellt - vermutlich schon seit sehr vielen Jahren. Er sah sich den Boden ganz genau an und auch die Tür. Er war überzeugt davon, dass noch vor kurzem jemand die Tür geöffnet hatte, denn an dem Schloss war die Farbe rundherum etwas abgeplatzt und darunter war das Holz zu erkennen. Er versuchte die Tür öffnen, doch es gelang ihm nicht. Es war von außen auch keine Klinke angebracht, sondern lediglich ein Türknauf, weshalb es durchaus sein könnte, dass die Tür nicht abgeschlossen war, sondern nur zugezogen. Lea sah sich die einzelnen Zimmer an und versuchte, mehr über das Haus zu erfahren. Sie blickte unter viele Betten und öffnete einige Schränke. In einem Schrank fand sie eine Box mit alten Fotos und sah sie sich alle genau an. Aus einem anderen Raum hörte sie Marvin, konnte ihn aber nicht verstehen. Aber offenbar war sie nicht angesprochen. Marvin ging durch das Haus und filmte alles, was ihm vor die Linse kam. Er hatte sowohl seine Action-Cam wieder an den Kopf geschnallt als auch eine kleine bessere Kamera in der Hand, mit der er alles noch viel besser und detaillierter filmen konnte. Dieser Urlaub wäre der Anfang für seinen Online-Video-Kanal gewesen. Sicher, es gab schon viele andere, die so etwas tun, aber dennoch machte es ihm so viel Spaß, dass er auch endlich einmal damit beginnen wollte. So war dann auch der Schottland-Urlaub entstanden, der zum Lost-Place-Camping-Urlaub wurde. Alles zur Vorbereitung auf seine - so hoffte er - neue Karriere als Online-Video-Produzent. Während er durch das Haus ging erzählte er, was er bisher über das Haus erfahren hatte. Dabei ließ er es immer mysteriöser wirken als es tatsächlich war. Er überlegte schon, ob er das Video zu dem Haus als “Der Fluch der Wäscherin” betiteln sollte, da hörte er ein Geräusch von oben. Ein Klopfen. Er folgte dem Geräusch nach oben bis hin zum verschlossenen Dachboden. Es war eines der Fenster, das dort vom Wind hin- und herbewegt wurde. Er ging auf die Tür zum Dachboden zu und noch bevor er von nahem durch das Schlüsselloch blicken konnte schreckte er zurück. Er hatte eine Bewegung dahinter gesehen - einen Schatten! Trotz mehrerer Versuche konnte Florian die Tür nicht öffnen - auch der Trick mit einer Plastikkarte funktionierte nicht - die Tür war wirklich abgeschlossen. Er ging wieder nach oben die große Treppe hoch bis in die erste Etage. Er war eher daran interessiert, etwas spannendes zu erleben, etwas Adrenalin. Das Interesse am Videofilmen teilte er nicht. Nachts durch das Haus zu gehen - das war schon mehr nach seinem Geschmack. Als er um eine Ecke hörte er ein leises Quietschen. Er folgte dem Geräusch und fand einen Waschraum auf dem Gang, dessen Tür offenbar durch Wind immer leicht hin- und herbewegt wurde. “Marvin hätte da bestimmt wieder an einen Geist gedacht!” dachte er spöttisch. Er betrat den kleinen Raum, an dessen rechter Seite sich drei Toiletten befanden, deren Türen geschlossen waren. Er öffnete die erste Tür und erblickte ein völlig verdrecktes WC. Bei der zweiten Tür sah es ähnlich aus, nur dass der oben an der Wand befestigte Spülkasten, an dem eine Metallkette mit einem Holzende hing, heruntergefallen war und das WC zerstört hatte. Die Scherben waren mit viel Staub bedeckt, woraus er schloss, dass dies schon vor geraumer Zeit geschehen sein musste. Dann kam er zur dritten Tür und drückte die Klinke herunter. Sie war verschlossen. Erschrocken wich er zurück. “Da hat sich doch jemand einen Spaß erlaubt!” dachte er. Er legte sich auf den Boden, um von unten etwas sehen zu können. Was er dort sah verschlug ihm den Atem: er sah das untere Ende von zwei Gummistiefeln, mehr konnte er nicht sehen. “Scheiße, sitzt da jemand?” schoss es ihm durch den Kopf. Lea hatte in der Zwischenzeit mehrere Boxen und Kartons mit Fotos und alten Zeitungen und Dokumenten gefunden. Ein Foto aus einer Zeitung aber ließ sie nicht los: darauf war eine alte Frau abgebildet - noch älter als die Dame, die sie eingeladen hatte zu übernachten. Sie stand an dem Tor an der Mauer neben einem der großen “Ds”. Darunter befand sich der Text “Morna Drysdale, Besitzerin des Drysdale-Anwesens”. In dem Zeitungsartikel dazu wurde beschrieben, dass diese Frau schon ihr ganzes Leben dort lebte und es wohl einem entfernten Verwandten in Australien vermachen würde, weil sie es nicht verkaufen dürfte. Auf der Zeitung stand als Datum “12. Juli 2018”. “Irgendetwas stimmt hier ganz und gar nicht!” schoss es Lea durch den Kopf. Marvin redete sich selbst immer wieder ein “Das habe ich mir nur eingebildet!”, um sich selbst zu beruhigen. Später würde er sich das Videomaterial ansehen, um zu prüfen, ob das auf den Aufnahmen zu sehen ist. Er ging vorsichtig an das Schlüsselloch heran und blickte hindurch. Er konnte nicht viel sehen. Aber dann: ein Schatten! Er zuckte wieder zurück und sah nach wenigen Sekunde erneut hindurch. Florian spürte seinen Pulsschlag. Adrenalin! Er rief laut “Hey, komm da raus!” und schlug mehrmals fest gegen die Tür. Er versuchte durch Lautstärke und feste Schläge seinem vermeintlichen Gegner Stärke zu beweisen. Doch es geschah nichts! “Ich öffne jetzt die Tür!” sagte er und holte sein Taschenmesser aus der Hosentasche. Vorsichtig drehte er mit Hilfe des Messers von außen die “Engaged”-Anzeige nach rechts. Dann öffnete er schlagartig die Tür! Lea lief schnell durch das Haus und rief nach Florian und Marvin. “Wo seid ihr? Ich habe etwas interessantes gefunden!” Sie lief den Gang weiter entlang und hörte jemanden laut sprechen und klopfen. Sie folgte dem Geräusch und fand Florian im Waschraum vor. Beim dritten Hindurchsehen erkannte Marvin, dass der vermeintliche Schatten nur ein langer schwarzer Vorhang war, der vom Wind immer wieder bis zur Tür geweht wurde. Erleichtert blickte er erneut hindurch, konnte aber nicht viel auf dem Dachboden erkennen, da der Blick von einem großen Schrank versperrt wurde. Dann hörte er plötzlich laute Schläge und jemanden rufen. War das Florian? Er ging so schnell er konnte - immer noch leicht humpelnd - in Richtung der Geräusche. Er sah Lea auf dem Gang und rief “Was ist los?” Florian begann zu Lachen. “Da hat sich jemand einen verdammten Scheiß-Scherz erlaubt! Gummistiefel reinstellen und dann von außen wieder abschließen.” Er blickte zu Lea. “War das einer von Euch?” unwissend schüttelte sie den Kopf. Als Marvin gerade ankam fragte er ihn “Warst Du das?” Doch Marvin wusste von nichts. “Vermutlich ein Scherz von einem anderen Lost-Placer, der schon einmal hier war.” Nun war der Moment gekommen, dass Lea von ihrer Entdeckung berichten konnte. “Die Dame, die uns hier hat übernachten lassen ist gar nicht die Besitzerin, seht hier!” Florian und Marvin sahen sich den Zeitungsartikel an. “Was für ein Scheiß-Spiel wird hier gespielt?” fragte Florian. Draußen wurde es langsam dunkler, was aber nicht an der Uhrzeit lag, sondern an den dichten Wolken, die wohl wieder viel Regen mit sich bringen würden.

Kapitel 4: Die zweite Nacht

Veröffentlicht: 4. Oktober 2019 “Lasst uns einfach gehen!” schlug Lea vor. “Aber es wird doch gerade richtig spannend, Lea!” sagte Florian. Auch Marvin hatte die Neugier gepackt, wenngleich er sich schon Sorgen machte, was denn passieren könnte, wenn sie dort bleiben würden. “Vielleicht ist das ja eine so eine durchgeknallte Mörderin und sie hat die Besitzerin auch schon längst umgebracht.” meinte Marvin. “Die Alte? Mit der werden wir schon fertig, wenn sie versuchen sollte, uns umzubringen, meinst Du nicht?” fragte Florian Marvin. “So gesehen hast Du Recht. Aber was machen wir jetzt? In ihr Haus sollten wir nicht zurück gehen wenn ihr mich fragt.” “Ja, ich bin auch dafür. Aber da sind noch unsere Sachen drin” erinnerte Lea. “Dann holen wir schnell unsere Sachen hierhin. Kommst Du, Marvin?” fragte Florian. “Ich bleib hier nicht alleine!” sagte Lea. Alle drei gingen vorsichtig zurück in das Haus, nachdem sie sich vergewissert hatten, dass niemand dort war. Sie nahmen ihre Rucksäcke auf den Rücken und trugen sie in das alte Haus. “So, wo schlagen wir unser Lager auf?” Ich habe da vorne einen kleinen Raum gefunden. Nur eine Tür, am Ende des Ganges und nur durch diesen einen Eingang zu erreichen. Und außerdem steckt ein Schlüssel.” Sie sahen sich gemeinsam den Raum an und stimmten darin überein, ihn als Lager zu verwenden. “Meinst Du, sie hat die Besitzerin umgebracht?” fragte Lea Marvin. “Das traue ich ihr nicht zu. Also zumindest nicht körperlich. Andererseits kann man den Menschen auch immer nur vor die Stirn schauen.” antwortete er. “Sie hätte die Besitzerin ja auch vergiften können” rief Florian vom Ende des kleinen Raumes. “Ob… ob sie auch uns vergiften wollte… hat?” - Marvin merkte, dass das nicht gut klang, als er es aussprach. “Vielleicht ist sie auch einfach verreist” versuchte Florian zu beruhigen. “Und warum sollte sich dann diese Frau selbst als Besitzerin ausgeben?” wollte Marvin wissen. “Weil’s… einfacher so ist und man nicht viel erklären muss?” entgegnete Florian, der das Thema möglichst schnell beenden wollte, um das Lager aufzubauen. “Sollten wir nicht die Polizei rufen?” fragte Lea. “Warum, weil wir als Fremde hier verbotenerweise ein fremdes Haus betreten und dann etwas erzählen von Verbrechen?” wies Marvin auf die rechtliche Lage hin. “Nein, stimmt, hast recht, Marvin” beendete Lea die Diskussion. Nach etwa dreißig Minuten hatten sie ihre Schlafsäcke ausgepackt und alles hilfreiche zurechtgelegt. “Schade, dass man das Haus von hier aus dem Fenster nicht sehen kann.” meinte Marvin. “Nun ja, hat auch einen großen Vorteil: wenn man es sehen könnte müssten wir hier alles absolut dunkel halten - so können wir uns das glaube ich ersparen” war Florians Antwort darauf. “Und jetzt gehen wir zum Dachboden!” Kaum hatte Florian das gesagt, war er auch schon auf dem Weg. “Moment!” rief Marvin noch hinterher. Er schloss den Raum von außen ab und ging mit Lea auch in Richtung Dachboden, wo sie schon laute Geräusche hörten. “Florian?” riefen sie, doch sie erhielten keine Antwort. Erneut starke Geräusche wie Schläge. Sie gingen so schnell sie konnten in Richtung Dachboden. Dann hörten sie ein letztes lautes Geräusch und dann rief Florian ihnen zu “Ich hab’s geschafft!” kurz bevor sie eintrafen. Die Dachbodentür war offen! Florian musste sie eingetreten oder eingeschlagen haben. “Bist Du verrückt? Du kannst doch hier nicht einfach eine Tür kaputtschlagen!” schrie Lea wütend Florian ins Gesicht! “Nichts mitnehmen, nichts beschädigen und so. Fotos und Videos ja, sonst nichts! Auf jeden Fall keine Sachbeschädigung!” “Ich habe mich dazu entschieden, weil es sein kann, dass die echte Besitzerin hier festgehalten wird oder schon umgebracht wurde!” sagte er zu ihr. “Und wenn nicht?” fragte Marvin sichtlich erregt. “Dann haben wir eben Pech gehabt.” Lea schüttelte den Kopf. “Und nun?” fragte Marvin. “Gehe ich hinein!” sagte Florian und setze den Fuß in den Türrahmen. “Kennt ihr den Film ‘The St. Francisville Experiment’?” fragte er die beiden. “Ähm, ja!” sagte Marvin, versuchte aber dabei seine Angst zu kaschieren. “Ich kenne ihn nicht. Worum geht es denn da?” fragte Lea. “Ist besser, wenn wir jetzt nicht darüber sprechen.” sagte Marvin und fasste ihre Hand. Die beiden folgten Florian auf den Dachboden. Es war ziemlich dunkel. Es hatte wieder angefangen zu regnen und der Regen prasselte gegen die Scheibe des einzigen kleinen Fensters, durch das nur sehr wenig Licht hineinkam, um den Dachboden zu erleuchten. Florian schaltete seine Taschenlampe ein. “Hallo! Ist da jemand?” rief er laut und deutlich in der Hoffnung, eine Antwort zu erhalten. Marvin und Lea hielten sich dicht hinter ihm. Marvin schaltete seine Taschenlampe ebenfalls ein. Der Boden des Dachbodens war mit Erde oder Staub bedeckt, so genau konnten sie dies nicht sehen. Marvin stolperte über etwas, das auf dem Boden lag und blieb schmerzerfüllt stehen. “Nicht schon wieder der gleiche Fuß!” “Alles ok?” fragte Lea. “Ja. Was liegt denn da auf dem Boden?” fragte er. Florian drehte sich um und der Lichtkegel der Taschenlampe erfasste die große Axt, über die Marvin gestolpert war. “Ist nur eine Axt” sagte Florian, drehte sich wieder um und ging langsam weiter. “Eine Axt?” lief es Marvin durch den Kopf. “Seht mal da!” Florian leuchtete in die Mitte des Raumes, in dem sich ein alter Wascheimer mit einem großen Waschbrett befand. “Jetzt wird es mir aber etwas zu gruselig” sagte Lea und hielt sich mit beiden Händen an Marvin fest. “Also war zumindest das echt auf dem Video” stellte Florian fest. “Hab ich doch gesagt.” “Und was ist mit der Bewegung, die so aussah, also ob da etwas war?” fragte Marvin. “Optische Täuschung, hab ich doch schon gesagt. Jetzt lasst und weitergehen!” beendete Florian die Diskussion. Am hinteren Ende des Raumes in der Nähe des Fensters stand ein großer Schrank und daneben eine große alte Truhe. Im Licht eines Blitzes sahen sie, dass die Truhe offen stand. Kurz darauf folgte der Donner, der sie zusammenzucken ließ. Sie gingen auf die Truhe zu und blickten hinein. Sie fanden noch mehr alte Fotos und einige Bücher. “Hier! Morna Drysdale - noch ein Bericht!” sagte Lea und begann vorzulesen: ‘Rettung für Drysdale Manor? Das alte immer mehr verfallende Drysdale-Anwesen kann nicht verkauft werden, auch nicht an den Trust of East Scotland, wie eine Auswertung der Unterlagen ergeben hat. Damit ist der Traum, das Haus endlich wieder in einen vernünftigen Zustand zu bringen, endgültig geplatzt. Die Hoffnung bestand bis zuletzt, aber die rechtliche Lage ist klar: als Erbe ist es Morna Drysdale untersagt, das Anwesen zu verkaufen, auch nicht, wenn es zum Zwecke des Erhalts und der Erhaltung der Geschichte gedacht wäre.’ Und wieder ein Foto von der anderen Frau.” Marvin durchwühlte die Truhe, fand aber nichts weiter interessantes. Sie gingen weiter und näherten sich dem Schrank. Als Marvin eine der beiden Schranktüren öffnen wollte fiel sie ihm schon entgegen, er konnte sie aber gerade noch halten. “Glück gehabt!” beglückwünschte er sich selbst. Florian holte etwas aus dem Schrank. Im Schein der Taschenlampe konnte sie sehen, dass es sich um einen rotgoldenen Anzug handelt. “Karnevalskostüm?” scherze Florian. “Nein, sowas gibt es in Schottland nicht” korrigierte Marvin und fühlte sich für einen kurzen Moment Florian überlegen. Sie durchsuchten den Schrank noch weiter, fanden aber nichts interessantes mehr. Daher begaben sie sich wieder vom Dachboden nach unten. “Lasst uns zurück ins Lager gehen, den Rest haben wir ja schon gesehen” schlug Marvin vor. Die beiden stimmten zu und so fanden sie sich kurze Zeit später wieder in ihrem Basislager. “Und was machen wir jetzt?” fragte Marvin. “Ich schlage vor, dass wir uns auf die andere Seite des Hauses begeben, von der aus wir das Haus der Frau sehen können. Dann wissen wir, wenn sie wiederkommt” antwortete Florian. “Und dann?” wollte Marvin wissen. “Bis das soweit ist können wir da zusammen überlegen, was wir machen” empfahl Lea den beiden. So begaben sie sich auf die andere Seite des Hauses nicht ohne die Tür vom Lager abzuschließen und den Schlüssel mitzunehmen. Wie immer verzichtete Marvin nicht auf seinen kleinen Rucksack. Sie hatten mehrere Stunden gewartet, während derer sie sich schon so ziemlich alles erzählt und den Plan gefasst hatten, die Frau zur Rede zu stellen, wenn sie wieder zurückkommen würde. Doch sie kam nicht. Die Stunden verstrichen. Achtzehn Uhr, zwanzig Uhr, dreiundzwanzig Uhr. Mitternacht. Sie beschlossen, wieder zurück in ihr Lager zu gehen. Marvin steckte den Schlüssel von außen ins Schloss und schloss die Tür auf. “Wie machen wir das mit der Nachtwache?” fragte Marvin. “Du zuerst und dann ich?” - er zeigte auf Florian. “Mir egal, kann das auch die ganze Nacht machen” erwiderte er. “Nein, Du musst ja auch mal schlafen. Dann übernehme ich die erste Wache von jetzt bis vier Uhr und Du von vier bis acht Uhr, ok?” fragte er Florian. “Gut, machen wir so” entgegnete Florian. “Ich komme zu Dir” sagte Lea und kuschelte sich mit ihrem Schlafsack neben ihm auf den Boden während er auf einem Stuhl saß, den er aus einem anderen Raum geholt hatte. “Gute Nacht zusammen!” sagte Lea leise und war kurz darauf eingeschlafen. Florian versuchte auch, etwas zu schlafen. Die Stunden vergingen. Am Anfang hatte Marvin keine Probleme, aber die Dunkelheit ließ seinen Körper immer weiter in Richtung Schläfrigkeit driften. Plötzlich wurde er geweckt und schrak zusammen. “Du bist eingeschlafen! Und Du schnarchst!” sagte Florian genervt zu ihm. “Wie viel Uhr ist es?” fragte Marvin leise, da er Lea nicht wecken wollte. “Drei Uhr dreißig. Ich übernehme jetzt!” sagte Florian und wollte so schnell wie möglich den Platz von Marvin einnehmen. Um Lea nicht zu wecken stellte Marvin den Stuhl beiseite und holte seinen Rucksack und legte sich neben Lea. “Aufwachen, aufwachen!” Marvin wurde äußerst unsanft aus dem Schlaf gerissen. Lea wurde schneller wach. Mit einem Flüstern, dass so laut wie beim Flüstern eben möglich war machte Florian Ihnen klar, dass etwas wichtiges geschehen sei. “Wie viel Uhr haben wir denn?” fragte die sichtlich müde Lea. “Fünf Uhr dreiundzwanzig” antwortete Marvin, der gerade selbst auf seiner Uhr nachgesehen hatte. “Was ist denn passiert?” wollte er von Florian wissen. “Da unten ist jemand. Ich habe die Tür quietschen gehört und leise Stimmen. Das könnte die Frau sein!” “Ich höre aber nichts!” sagte Marvin, der vorsichtig zur Tür gegangen war und sein Ohr an die Tür gepresst hatte. “Seid mal alle leise!” flüsterte er. Etwa zwei Minuten lang sagte keiner von ihnen etwas, aber es war auch nichts mehr zu hören. “Wir müssen nachsehen, was passiert ist und vor allem wissen, ob wir hier wieder alleine sind!” flüsterte Florian und ging zur Tür zu Marvin. Als er die Klinke hinunterdrückte, um die Tür zu öffnen, musste er feststellen, dass die Tür abgeschlossen war. “Wo hast Du den Schlüssel versteckt, Marvin?” “Ich habe den Schlüssel nicht” antwortete er überrascht. “Ich habe ihn gestern Abend in die Tür gesteckt und die Tür aufgeschlossen. Mehr nicht!” “Du willst mir doch nicht sagen, dass der Schlüssel die ganze Nacht von außen steckte und die Tür offen war?” fragte Florian ihn wütend. “Vermutlich” sagte er mit einem deutlichen Unbehagen. “Aber wir müssen hier raus, irgendjemand muss uns eingeschlossen haben!”

Kapitel 5: Nebel

Veröffentlicht: 5. Oktober 2019 Immer noch eingeschlossen! “Brech` doch die Tür genau so auf wie die Dachbodentür!” meinte Marvin zu Florian und Florian wusste nicht, ob es als Vorwurf gemeint war oder nicht. “Wenn die Tür nach außen aufgehen würde ja. Aber so hilft uns das nicht! Verdammt!” fluchte Florian und setzte sich wütend auf den Stuhl, um nachzudenken. Mehrere Minuten vergingen, während denen sie überlegten, wie sie aus dem Raum kommen würden. Florian hatte das Fenster geöffnet und hinaus gesehen. Dichter Nebel kam durch das Fenster herein und der Duft von feuchtem Laub drang in seine Nase. “Was ist das denn für ein dichter Nebel?” fragte er verwirrt. Er leuchtete mit der Taschenlampe nach unten, während er sich über die Fensterbank beugte. “Der ist so dicht, dass man unten fast nichts erkennen kann!” informierte er die beiden. “Also wir können sicher nach unten springen, so hoch ist das nicht. Aber was da unten ist kann ich nicht sehen. Könnte aber wehtun” meinte er. “Ich versuch’s” sagte er und war gerade dabei, auf die Fensterbank zu klettern. “Was ist denn, wenn der Schlüssel noch von außen steckt?” schoss es Marvin durch den Kopf. “Moment!” rief er Florian zu, der innehielt. Er ging zur Tür, leuchtete mit der Taschenlampe ins Schloss und sah, dass der Schlüssel tatsächlich noch von außen steckte. “Er steckt noch im Schloss” sagte er, was Florian dazu brachte, das Fenster wieder zu schließen. “Ich brauche mal ein Stück Papier, Zeitung oder sowas” rief er den beiden zu. “Hier” sagte Lea und reichte ihm eine der alten Zeitungen, die sie gefunden hatten. Marvin versuchte die Zeitung unter der Tür hindurch zu schieben. Als das nicht direkt funktionierte, nahm er nur ein Doppelblatt der Zeitung, faltete es und schob es unter der Tür durch. Er holte sein Allzweckwerkzeug aus dem Rucksack, in dem sich auch ein kleiner Schraubendreher befand, und drückte ihn vorsichtig in das Schlüsselloch. Nach einigem Hin und Her hatte er endlich den Schlüssel aus dem Schloss drücken können. “Ja!” Er hatte es geschafft. Er zog das Blatt Zeitungspapier langsam wieder unter der Tür hervor. Der Schlüssel lag darauf! Als die anderen dies sahen hob sich die Stimmung schnell wieder. Marvin nahm den Schlüssel, steckte ihn in das Schloss und drehte in nach links. Mit einem Knirschen öffnete sich das Schloss und er konnte die Klinke hinunter drücken. Die Tür öffnete sich. “Los, los, los!” rief Florian leise, aber bestimmt von hinten und drängte die beiden, den Raum sobald wie möglich zu verlassen. Vorsichtig und leise gingen sie durch den Gang bis zur großen Treppe. Die Taschenlampen hatten sie eingeschaltet. Sie hörten nichts. Vorsichtig gingen sie die große Treppe hinunter. Es war genau fünf Uhr dreiunddreißig. Totenstille. Als klar war, dass niemand mehr im Haus zu sein schien, gingen die drei in Richtung Eingangstür. Florian öffnete die Tür einen Spalt weit. Etwas Nebel kam herein und er war so dicht, dass er nur bis zu Ende der Treppe sehen konnte. Er leuchtete mit der Taschenlampe ins Dunkel. Ein Käuzchen meldete sich und flog nach einigen Sekunden weiter. Er schloss die Tür wieder vorsichtig und leise. Es dauerte fast zehn Minuten, während derer die drei zusammen alle Räume im Haus untersuchten, weil sie sichergehen wollten, dass sich niemand mehr darin befand. Sie waren wieder alleine. “Das war doch bestimmt die Alte!” meinte Florian. “Sie muss uns als wir geschlafen haben gefunden haben und dann die Tür abgeschlossen haben. Aber warum hat sie uns eingesperrt?” fragte sich Marvin. “Und hatte sie geplant, uns später wieder hier herauszulassen?” fragte Lea. “Nun, ich denke die eigentliche Frage ist: wann kommt sie wieder?” gab Florian zu bedenken. “Wir sollten vorbereitet sein!”. Sie waren wieder zurück in ihrem Raum. “Ihr packt die Sachen und ich passe auf, ob jemand ins Haus kommt, ok?” fragte Florian. “Ok, ich denke wir sind schnell fertig” antwortete Marvin. Lea hatte schon angefangen, ihre Sachen in den Rucksack zu packen. “Dann bis später” sagte Florian und war schon aus dem Raum verschwunden. “Was geht hier nur vor?” wollte Lea wissen. “Irgendetwas komisches auf jeden Fall” meinte Marvin. Er blickte aus dem Fenster. “Es regnet schon wieder.” Er nahm seine Taschenlampe und leuchtete aus dem Fenster. Der Kegel der Taschenlampe ließ den Nebel weiß aufleuchten. “Ich werd` hier noch verrückt!” sagte Lea zu Marvin und er spürte in ihrer Stimme, dass sie dies nicht nur einfach so gesagt hatte. Er ging zu ihr und nahm sie in den Arm. “Wir schaffen das schon!” Lea und Marvin rollten die Schlafsäcke zusammen und verstauten sie mit den anderen Dingen, die sie am Abend zuvor herausgenommen hatten, wieder in ihren Rucksäcken. “Toll! Die Batterie meiner Taschenlampe ist bald leer” sagte Marvin, während er sie mehrfach ein- und ausschaltete. “Hast Du noch Batterien oder Akkus?” fragte er sie. “Nein, hattest Du nicht so viele mitgenommen?” “Nein, nur ein paar Akkus, da ich eigentlich davon ausgegangen bin, dass ich nicht so viele benötige. Ein Ladegerät habe ich, nur gibt es hier ja keinen Strom.” Plötzlich hörten sie die Eingangstür laut quietschen. Marvin war als erster im Gang und lief zur Treppe. Er sah gerade noch, wie die Tür zufiel. “Florian? Florian?” rief er. Keine Antwort. Als er sich umdrehte und zurück ins Zimmer laufen wollte hätte er Lea fast umgerannt. “Vorsicht!” konnte sie gerade noch sagen, sonst wäre er mit ihr zusammengestoßen. “Los, wir müssen nachsehen, was los ist. Aber die Rucksäcke mitnehmen!” Sie liefen zurück in ihren Raum, warfen sich die Rucksäcke um und rannten den Gang und dann die große Treppe hinunter. Vorsichtig öffnete Marvin die Tür. Alles war dunkel und Florian war nirgendwo zu sehen. “Florian! Florian, wo bist Du?” Sie riefen beide und leuchteten mit ihren Taschenlampen durch den Nebel, der sie nur wenige Meter weit blicken ließ. Marvins Taschenlampe wurde immer dunkler - und dann ging sie ganz aus. “Tolles Timing!” sagte er verärgert. “Hier, nimm meine!” sagte Lea und hielt ihm ihre entgegen. “Danke.” Lea hakte sich bei ihm ein. Minuten verstrichen. Sie waren einmal um das große Herrenhaus herum gelaufen, konnten Florian aber nicht finden. Als sie wieder am Eingang angekommen waren hörten sie ein Rascheln. Jemand kam näher! Sie hockten sich vorsichtig auf den Boden neben der Treppe. Die Schritte kamen näher. Und jetzt sahen sie ein Licht, das auf sie zusteuerte. Marvin spürte, wie Lea sich noch mehr an ihn drückte. “Marvin? Lea? Seid ihr das?” Es war Florian, der auf die zukam. “Florian, wo warst Du denn die ganze Zeit?” fragte Lea eindringlich. “Nachdem hier im und um das Haus niemand war bin ich in das Haus gegangen, in dem die Alte wohnt!” “Du bist doch verrückt! Das war so nicht abgesprochen!” regte sich Lea auf. “Jedenfalls ist keiner drin. Nicht hier, nicht dort. Nirgendwo.” Er drehte sich schon wieder um. “Kommt mit, wir gehen in ihr Haus!” “Willst Du nicht noch Deinen Rucksack holen?” fragte Marvin. “Habt ihr den nicht mitgebracht?” fragte er genervt. Florian war nach kurzer Zeit wieder zurück und hatte den Rucksack auf den Rücken geschnallt. “Kommt!” Sie gingen zum Haus der alten Dame. Die Tür war nicht abgeschlossen. Logisch, sonst wäre Florian ja auch nicht hinein gelangt. Ein Blitz zuckte durch den Himmel. Kurz danach folgte der Donner. Der Regen wurde wieder stärker. Sie gingen schnell in das Haus und schlossen die Tür hinter sich. “Wir bleiben am besten in der Küche, dann sind wir nah am Ausgang” schlug Florian vor. “Ich will hier einfach nur noch weg!” sagte Lea. “Das ist doch alles total verrückt! Lasst uns jetzt weiter gehen, weg von diesem Horror-Haus!” “Lea, wir finden doch noch nicht einmal den Weg bei dem Nebel! Und bei dem Sturm vom Ast erschlagen zu werden oder vom Blitz getroffen werden willst Du doch sicher auch nicht, oder?” versuchte Marvin ihr zu erklären. “Es ist besser, wenn wir hier bleiben. Zumindest, bis es hell wird” ergänzte Florian. Sie nahmen die Rucksäcke ab und zogen die nassen Jacken aus. Sie sahen sich in der Küche um. Vor dem Kühlschrank fanden sie eine zerbrochene Müslischale auf dem Boden vor, deren Milch sich in einer großen Pfütze auf dem Boden verteilt hatte. Einige Haferflocken schwammen noch darin. “Sieht so aus, als wäre sie fluchtartig aus dem Haus gelaufen” meinte Marvin. “Oder die Schale ist ihr einfach nur aus der Hand gerutscht” entgegnete Florian. “Seltsam ist es auf jeden Fall. Das hätte man doch direkt aufgewischt” meinte Lea dazu. “Die Alte ist einfach… alt!” sagte Florian und damit war die Diskussion auch wieder beendet und jeder kümmerte sich um seine eigenen Dinge. Florian nahm eine alte Karte aus der Tasche, die er bei seinem vorherigen Besuch in der Wohnung gefunden hatte, legte sie auf den Tisch und begann sie zu studieren. Marvin sah sich etwas in der Wohnung um. Er nutzte die Zeit, um die Akkus seiner Taschenlampe zu laden. Das Ladegerät hatte er an einer Steckdose in der Küche angeschlossen. Auch Lea und Florian nutzten die Gelegenheit, um ihre Handys zu laden. Im Wohnzimmer auf dem Tisch lag ein aufgeschlagenes Buch mit dem Titel “Die Geheimnisse schottischer Schlösser”. Das hatte die Frau wohl noch gelesen, bevor sie verschwunden war. Er blätterte einige Seiten zurück, um zum Beginn des Kapitels zu gelangen. “Der Schatz von Drysdale” Interessiert begann er den Artikel zu lesen oder eher zu überfliegen. Nachdem er einiges interessantes gelesen hatte ging er zu Lea und Florian zurück. “Ich hab hier was interessantes gefunden!” sagte er und hielt das Buch dabei hoch. Dies brachte ihm schnell Aufmerksamkeit und er begann einige Sätze vorzulesen: “Drysdale Manor wurde im Jahr 1723 erbaut von Clive Drysdale, um es zum Stammsitz seiner Familie zu machen. Hartnäckig hält sich seit vielen Jahren das Gerücht, dass ein unglaublicher Schatz dort verborgen sein soll. Die heutigen Bewohner und Nachfahren Gordon und Morna Drysdale sind davon allerdings nicht überzeugt. `Ich glaube nicht an solche Gerüchte. Wenn hier ein Schatz wäre hätte man ihn doch sicher schon vor 200 Jahren gefunden` teilte Gordon Drysdale mit.” Marvin blätterte einige Seiten weiter und las weiter vor “Und hier” “Im Mausoleum von Drysdale Manor sollen sich die sterblichen Überreste der gesamten Familie befinden. Trotz mehrerer Anfragen von Forschern in den letzten 50 Jahren wurde dies immer abgelehnt. `Dies ist ein Ort der Stille und der Erinnerung. Dies sollte man auch so respektieren` gab Morna Drysdale, die Frau von Gordon Drysdale, zu bedenken.” Marvin nahm die alte Karte, die Florian gefunden hatte. Er zeigte mit dem Finger auf den Umriss eines Gebäudes. “Hier ist das Mausoleum! Das will ich gleich unbedingt noch filmen.” Florian sah sich die Karte an. “Das liegt in der anderen Richtung.” Er tippte mit dem Finger auf die Karte. “Wir sind hier und hier gehen wir gleich entlang!” “Dann gehe ich eben alleine dahin” sagte Marvin trotzig. “Bist Du verrückt?” fragte Lea. “Ich will das aufnehmen. Ist doch sowieso das letzte, das wir hier sehen werden” meinte er. “Mann, Mann, Mann!” sagte Florian sichtlich genervt. “Dann gehen wir eben dorthin, Du filmst, und wir gehen dann den Weg zurück in Richtung des Hügels hier” schlug Florian vor. “Ok. Danke!” sagte Marvin und ging in Richtung Haustür, um einen kurzen Blick aus dem Fenster zu werfen. Immer noch Dunkelheit und Nebel, aber der Sturm schien nachzulassen. Nur noch vereinzelt hörte man einige Regentropfen an der Scheibe. “Habt ihr hier Empfang?” fragte Lea. Marvin nahm sein Handy aus der Tasche. “Ja, aber ganz schlechten!” “Ich habe nämlich gar keinen” entgegnete Lea. Florian, der schon wieder irgendein Spiel auf dem Handy begonnen hatte zu spielen, bekam nichts davon mit, so vertieft war er darin. “Darf ich Dein Handy mal haben?” fragte Lea Marvin, der ihr das Handy mit einem “Klar!” in die Hand drückte. “Florian. Florian!” Marvin versuchte, die Aufmerksamkeit von Florian zu bekommen. “Yep!” “Wie lange wolltest Du denn hier bleiben?” “Ich würde sagen, bis es hell wird und der Sturm schwächer geworden ist. Und dann verschwinden wir hier!” “Das klingt nach einer guten Idee! Es hat fast schon aufgehört zu regnen” meinte Marvin. “Was meinst Du, Lea?” “Lea?” Sie blickte schockiert auf das Handy und strich mit dem Finger darauf nach oben und nach unten. “Lea! Was ist los?” fragte Marvin, der sich schon Sorgen um sie machte, denn so kannte er sie nicht.“ “Hier… hier steht, dass es offenbar an mehreren Orten auf der Welt einen Anschlag mit biologischen Waffen gab!”

Kapitel 6: Dunkelheit

Veröffentlicht: 6. Oktober 2019 Nachdem Lea den beiden einige Artikel vorgelesen hatte waren sie schockiert. Auch in Berlin war offenbar ein Anschlag verübt worden. Genauere Details waren allerdings noch nicht bekannt. London war auch betroffen. “Was London angeht, hatten wir ja noch mal Glück gehabt” meinte Marvin. “Wieso?” wollte Florian wissen. “Der erste Plan war es, dass wir statt heute hier einige Tage in London verbringen” beantwortete Marvin seine Frage. “Als ihr noch alleine fahren wolltet!” “Genau.” “Hat denn einer von Euch Verwandte in Berlin?” wollte Lea wissen. Beide verneinten dies. “Ich habe meinen Eltern schon mal geschrieben, dass es uns gut geht” sagte Lea. Verwundert blickten die beiden sie an. “Ja, ich weiß. Aber was soll ich denn schreiben? Dann machen sie sich nur unnötig Sorgen. Wir haben eine Frau getroffen, von der wir glauben, dass sie uns nachts eingesperrt hat?” “Hast schon Recht” sagte Marvin. Etwa zwei Stunden vergingen, während derer Lea noch mehr über die Geschehnisse erfuhr, die offenbar erst vor wenigen Stunden begonnen hatten. Marvin hatte ein paar alte Bücher über das Haus gefunden und las darin. Immer wieder sahen sie aus dem Fenster, wo sie immer noch nur Dunkelheit sehen konnten. Irgendwann, es muss gegen acht Uhr morgens gewesen sein, sah Marvin auf die Uhr. “Sagt mal, müsste die Sonne nicht schon längst aufgegangen sein?” fragte er die beiden. “Wenn das so wäre, dann wäre es jetzt ja schon hell, oder?” antwortete Florian. Aber auch Lea kam dies komisch vor. Sie blickte auf ihre Uhr. “Ich bin mir sicher, dass es gestern um die Zeit schon längst hell war.” “Das können wir ja schnell herausfinden!” Marvin nahm Lea sein Handy aus der Hand. “Hey!” “Nur einen kleinen Moment” sagte er und war schon dabei, in der Suchmaschine “Sonnenaufgang Aberdeen 6. Oktober 2019” einzugeben. Sie waren zwar nicht in Aberdeen, aber es war zumindest einer der nächsten größeren Orte in der Nähe. “Hier steht: Sonnenaufgang um 7:22 Uhr!” “Zeig mal!” rief Florian und blickte auf Marvins Handy. Verwirrt blickte er auf seine Armbanduhr und danach auf sein Handy. “Was soll der Blödsinn?” fragte er, so als ob die beiden seine Frage beantworten könnten. “Ich will jetzt hier weg!” schrie Lea. “Bitte lasst uns jetzt gehen!” Schockiert von der immer noch stockdunklen Umgebung und dem starken Nebel beschlossen sie, ihre Sachen zu nehmen und das Haus so schnell wie möglich zu verlassen. Sie zogen die Tür hinter sich zu. Ein Schwung alter Luft kam ihnen noch hinterher. “Also dann auf zum Mausoleum” sagte Marvin, der sich schon wieder mit seiner Action-Cam ausgerüstet hatte und sie an einem kleinen Stativ in der Hand hielt. Seine größere Kamera wollte er nicht benutzen, denn sie war nicht wasserdicht. Drei Lichtkegel kämpften sich durch den Nebel. Das feuchte Laub raschelte unter ihren Füßen und die Luft roch wie nach einem Gewitter. Sie folgten einem kleinen Kiesweg, der sie nach kurzer Zeit in einen kleinen Wald führte. Immer wieder tauchten links und rechts die Bäume auf. Lea glaubte, immer wieder seltsame Gestalten zu sehen, erkannte dann aber, dass es nur ihre Fantasie war, die im Nebel krampfhaft versuchte, etwa sinnvolles zu erkennen. Plötzlich blieb Marvin unvermittelt stehen. “Hört ihr das?” fragte er leise. Florian und Lea blieben stehen. “Ja, es regnet nicht mehr so stark!” sagte Florian und nahm seine Kapuze ab. “Nein, das meine ich nicht. Hört mal genau!” sagte Marvin. Mehrere Sekunden Stille. “Also ich höre absolut nichts!” unterbrach Lea die Stille. “Genau!” sagte Marvin. “Es ist absolut nichts zu hören. Kein Wind, keine Geräusche, nicht mal ein Vogel!” Nervös drehte Lea sich um und leuchtete mit ihrer Taschenlampe in die Dunkelheit. “Nun macht Euch doch nicht ins Hemd!” sagte Florian und ging weiter. “Hey, warte!” rief Marvin ihm hinterher und er folgte ihm mit Lea. “Hier, ich glaube wir sind da!” hörten sie Florian wenige Meter vor ihnen. Er leuchtete mit seiner Taschenlampe offenbar einen Teil eines Gebäudes an. Marvin, der die ganze Zeit schon filmte, lief schnell zu ihm hin. “Hey, warte auf mich!” sagte Lea und lief hinter ihm her. Seinen Blick auf das Gebäude gerichtet lief Marvin schnell dort hin. Plötzlich stolperte er und fiel zu Boden, konnte sich aber gerade noch abstützen. Er ärgerte sich und stand wieder mit leichten Schmerzen im Fuß auf, die eigentlich schon deutlich besser geworden waren. “Verdammt!” fluchte er. Florian und Lea halfen ihm auf. Plötzlich ging Lea panisch mehrere Schritte zurück. “Was… wer ist das? Marvin!” Marvin ging unter Schmerzen zu ihr und leuchtete auf den Boden. Dort, wo er gestolpert war, lag etwas auf dem Boden zwischen einigen Ästen. Etwas gelbes. “Was… was ist das?” fragte Lea schockiert. “Ist das…” Vor Schreck wich sie zurück. “Scheiße, ist das ein Mensch?” fragte Florian. Er kniete sich auf den Boden. Jetzt konnte er es genauer erkennen. Er nahm seine rechte Hand und drehte es um. “Scheiße, scheiße, scheiße!” fluchte er und ging einen Schritt zurück. Es war tatsächlich ein Mensch. Die Person hatte einen gelben Regenmantel an. “Ist… ist das die Frau?” fragte Lea. Marvin kniete sich neben den Körper und begann an ihm zu rütteln. “Hallo? Hallo?” Er prüfte, ob sie noch atmete. Nichts. “Sie ist tot” sagte er, während er aufgestanden war. “Und ich denke das ist sie, ja.” Florian kniete sich zu ihr hin und wühlte in den Jackentaschen herum. “Was ist das hier für eine kranke Scheiße?” schrie Lea und war kurz davor, zu weinen. “Lasst uns hier endlich verschwinden!” Sie wurde noch lauter. “Was ist, wenn sie der Typ, der sie umgebracht hat, hier noch irgendwo im Wald ist?” “Halt, halt, halt!” unterbrach sie Florian. “Es ist nicht gesagt, dass sie umgebracht wurde. Ich kann hier jedenfalls nichts erkennen. Kein Stich, kein Einschussloch, nichts! Vielleicht war sie einfach zu alt.” “Das glaubst Du doch wohl selbst nicht!” entgegnete Marvin. “Bei dem, was hier so abgeht, wird das sicher kein natürlicher Tod sein.” In dem Moment, als Marvin das Wort “Tod” aussprach zuckte ein Blitz ganz in der Nähe. Der Donner folgte direkt darauf. Dann kamen einige dicke Tropfen vom Himmel, die sich innerhalb weniger Sekunden in Platzregen verwandelten. “Schnell, hier können wir uns unterstellen” sagte Marvin, der schon an dem Gebäude in der Nähe angekommen war. “Das ist das Mausoleum!” sagte Florian. “Können wir uns nicht woanders unterstellen?” fragte Lea. “Du kannst gerne gehen” sagte Florian zu ihr, was angesichts des heftigen Regens sicher keine Alternative für sie war. Das Mausoleum war etwa drei Meter breit und etwa zwei Meter hoch. Es sah aus wie ein kleiner Tempel mit jeweils einer Säule links und rechts. Es war mit einem zweiteiligen Metalltor ausgestattet, welches offen stand. An den Außenwänden und dem Tor rankte sich Efeu entlang und es sah so aus, als hätte es lange niemand mehr besucht. “Und…und was ist, wenn jemand da drin ist?” fragte Lea. “Sie hat Recht. Was ist, wenn da jemand drin ist, der etwas mit dem Tod der Frau zu tun hat?” sagte Marvin. “Ich glaube nicht, dass dort jemand drin ist. Lasst uns ganz vorsichtig hineingehen und alle zusammen mit den Taschenlampen hineinleuchten” schlug Florian vor. Widerwillig folgten Marvin und Lea seinem Vorschlag. Ihnen war auch keine bessere Lösung eingefallen. Sie betraten das Mausoleum durch einen steinernen Durchgang und kamen in einen großen Raum. In der Mitte führte eine Treppe nach unten. Im Inneren des Raumes befanden sich mehrere Säulen und ein Blick geradeaus zeigte eine steinerne Platte, auf der ein Text eingraviert war. An beiden Seiten befanden sich Statuen. Marvin, der das Mausoleum unbedingt filmen wollte, hatte schon fast wieder vergessen, was geschehen war. Er ging zur Steinplatte. “Erkenne die Wahrheit, mein Kind!” stand darauf geschrieben. Florian war schon auf der Treppe nach unten. “Was soll das, Florian?” fragte Lea. “Wir müssen wissen, ob wir hier wirklich alleine sind!” Die beiden folgten ihm nach unten, obwohl Lea am liebsten fortgelaufen wäre. Aber wo sollte sie alleine hin? Sie erreichten nach wenigen Treppenstufen die Gruft. Darin befanden sich etwa 15 Särge, die meisten davon allem Anschein nach sehr alt. Sie standen neben- und teilweise auch aufeinander. An einigen konnten sie noch die Schilder lesen. “Douglas Drysdale. 1717 - 1768” las Marvin eines der Schilder vor. “Kommt, lasst uns wieder nach oben gehen. Hier ist niemand, das wissen wir jetzt!” bat Lea und trippelte mit den Füßen. “Einen Moment noch” sagte Marvin, “ich will das hier nur noch kurz filmen!” Florian drängte ebenfalls. “Jetzt mach mal etwas schneller!” Nach einer weiteren Minute war es Florian genug. “Ich gehe schon mal wieder nach oben!” sagte er. “Ich komme mit!” sagte Lea und ging mit ihm zusammen nach oben. Marvin kniete sich unterdessen auf den Boden und leuchtete mit seiner Taschenlampe unter einige der Särge, die etwas erhöht standen. Florian wartete währenddessen im oberen Teil des Mausoleums mit Lea. Der Regen war mittlerweile wieder schwächer geworden. “Was hältst Du davon, wenn wir uns jetzt …” Er griff in seine Jackentasche. “…den Keller ansehen?” “Wo hast du denn die Schlüssel her?” fragte Lea völlig verwundert. Florian warf den Schlüsselbund mit mehreren Schlüsseln nach oben und fing es mit der gleichen Hand wieder auf. “Den hatte die Tote in ihrer Jackentasche” antwortete er. “Komm, lass uns in den Keller gehen, ich bin sicher, dass wir dort das Rätsel lösen können. Also was wir nachts gehört haben, warum wir eingesperrt wurden und so weiter.” “Ich hole eben Marvin” sagte Lea und lief nach unten. “Marvin! Kommst Du? Florian hat den Schlüssel für den Keller gefunden. Und den wollen wir uns jetzt ansehen, bevor wir hier verschwinden!” Keine Antwort. Lea leuchtete mit der Taschenlampe umher und fand Marvin in einer Ecke stehend. Er stand vor einer Inschrift in der Wand und versuchte sie offenbar zu entziffern. “Marvin, kommst Du jetzt?” fragte sie erneut und deutlich energischer. Sichtlich genervt antwortete er “Ich bin gleich fertig. Nur noch ein paar Minuten.” Lea wurde ungeduldig und versuchte es erneut. “Wir wollen jetzt gehen, jetzt komm endlich!” “Dann geht doch! Ich komme gleich nach!” rief er ihr aus der Ecke zu. “Ohne Dich gehe ich hier nirgendwo hin!” entgegnete Lea. “Geh` einfach. Ich komme gleich nach!” Wütend lief Lea die Treppe hinauf und wäre fast gestolpert. Sie ging mit schnellen Schritten auf Florian zu. “Lass uns gehen, Marvin kommt gleich nach!” Die Wut in ihrer Stimme konnte Florian nicht überhören. Er dachte darüber nach, ob es die richtige Entscheidung war. Er hatte sich schon eine Theorie zurechtgelegt: irgendetwas hatte die Tote zu verbergen und sie wollte nicht, dass sie dies mitbekamen, daher hatte sie die drei in der Nacht gefunden und eingesperrt. Dann ist sie in der Nacht zum Mausoleum gegangen und gestolpert oder wurde vom Blitz erschlagen. Er wusste nicht, ob er wirklich daran glaubte oder sich diese Geschichte nur zusammengedichtet hatte, um sich zu beruhigen. “Es ist gleich neun Uhr und es ist immer noch stockdunkel!” sagte Lea ängstlich. “Das ist doch total verrückt!” “Vielleicht haben wir ja eine Sonnenfinsternis” sagte Florian. Lea sah in ungläubig an. “Mann, ich weiß es doch auch nicht!” beantwortete er ihren Blick. Nach etwa zwei Minuten waren sie wieder am Haus angekommen. Immer noch umgab sie der Nebel, der sie schon den ganzen Morgen begleitete. Florian hatte den Kellerschlüssel schon in der Hand, der durch ein kleines Schild gekennzeichnet war. Sie stiegen die Treppe am Hauseingang hinauf und öffneten die Tür. Wieder quietschte sie laut. Sie traten in die Eingangshalle und blieben einen Moment stehen. Stille. Dann gingen sie zur Treppe, die in den Keller des Herrenhauses führte. Florian leuchtete mit seiner Taschenlampe das Schloss an und steckte den Schlüssel hinein. Plötzlich hörten sie ein dumpfes Klopfen. Es kam aus dem Keller! Marvin war ganz in seinem Element und hatte die Welt um sich herum vergessen. Er liebte das Abenteuer. Er hatte es nach einigen Minuten geschafft, die nur noch schlecht erkennbare Inschrift zu entziffern: “Steige hinab, um den Schatz zu finden, der das Innerste der Welt zusammen hält. Feuer und Wasser werden Dir den Weg weisen und sind der Schlüssel Deiner Reisen. ” Was war nur damit gemeint? “Steige hinab?” Er dachte etwas darüber nach. Plötzlich fiel ihm wieder ein, dass er glaubte unter einem der Särge eine Öffnung im Boden gesehen zu haben. Er hatte dies als Täuschung abgetan. Er ging zurück zu dem betreffenden Sarg und untersuchte ihn genau. Er konnte leichte Schleifspuren auf dem Boden erkennen, die er sich genauer ansah. “Die sehen frisch aus” dachte er und versuchte, den Sarg zur Seite zu schieben. Marvin musste sich sehr anstrengen. Florian, so dachte er, hätte den Sarg wahrscheinlich ganz schnell verschoben. Marvin hatte beide Hände an die rechte Seite des Sarges gedrückt und schob ihn nach und nach zur Seite. Schweißperlen sammelten sich an seiner Stirn. Er hatte es geschafft. Er leuchtete mit der Taschenlampe nach unten und konnte eine Öffnung erkennen. Eine Öffnung im Boden der Gruft! Er kniete sich hin und leuchtete direkt in die Öffnung. Eine Wendeltreppe führte nach unten! Er war einfach zu neugierig und konnte nicht anders. Er trat vorsichtig auf die erste Stufe und prüfte, ob sie ihn aushalten würde. Dann trat er auf die zweite und dann die dritte. Dann verschwand er im Boden der Gruft.

Kapitel 7: Jenseits der Gebeine

Veröffentlicht: 7. Oktober 2019 Sie hörten mehrfach ein dumpfes Klopfen, das von hinter der Kellertür kam. Florian schloss die Kellertür vorsichtig und leise auf und öffnete sie einen Spalt. Das Klopfen war lauter geworden. Er leuchtete mit der Taschenlampe hinein. An den Wänden standen mehrere Metallregale, in denen einige Dinge gelagert wurden. Marmeladengläser, Kartons, Werkzeug. Er konnte erkennen, dass weiter hinten ein Gang weiterführte. Er öffnete die Tür ganz und betrat den Keller. Lea blieb dicht hinter ihm. “Klick” Florian hatte den Lichtschalter gefunden, aber als er ihn umlegte passierte nichts. Sie gingen den Gang weiter entlang, hörten aber kein Geräusch mehr bis auf gelegentliches dumpfes Donnern von draußen. Sie fanden einige kleinere Räume vor, die entweder leer waren oder in denen altes Zeug stand. Was, konnte auch Florian nicht genau erkennen. In einem der Räume befand sich eine quaderförmige Holzkiste in der Mitte des Raumes. Sie sahen sie sich kurz an, konnten aber nichts besonderes finden. Wieder unterbrach ein dumpfes Klopfen die Stille und Lea zuckte zusammen, da es plötzlich deutlich lauter geworden war. “Ich glaube es kam von rechts” meinte Marvin und bog um die Ecke. Sie erreichten einen weiteren kleinen Raum, an dessen Ende eine Tür in die Wand eingelassen war. Sie war aus Metall, dunkelgrau und etwas verrostet. Zwei abgeschrägte Griffe befanden sich an der linken Seite - einer oben und einer unten. “Das ist eine Bunkertür!” flüsterte Florian. Neben der Tür befand sich ein kleines Holzregal, in dem einige kleine Pappkartons lagen. Einige alte Holzleisten von etwa 30-40cm Länge lagen auf der obersten Ebene. Ruckartig streckte Florian seine Hand aus und schlug mehrmals gegen die Tür. “Hallo, ist da jemand?” rief er. “Bist Du verrückt?” flüsterte Lea energisch. “Was ist, wenn derjenige jetzt rauskommt?” “Wie gesagt: das ist eine Bunkertür und diese hier ist offenbar von außen verschlossen. Da kommt gar nichts heraus, wenn wir die Tür nicht selbst öffnen.” Plötzlich drang ein dumpfes und schwach klingendes “Hilfe!” aus dem Raum hinter der Tür. Nun war auch Lea auf seiner Seite. “Wir müssen der Person helfen” sagte sie zu Florian. “Stell Dich bitte da hinten an den Durchgang. Falls das nur ein Trick ist lauf gleich schnell zu Marvin. Ich versuche dann die Person hier aufzuhalten.” Er griff ins Regal und nahm eine der alten Holzleisten in die linke Hand. Die Taschenlampe klemmte er zwischen seinen Zähnen fest, während er vorsichtig die beiden Griffe öffnete. Dann zog er in einer ruckartigen Bewegung die Tür auf, nahm die Taschenlampe wieder in die rechte Hand und hob die Holzleiste in der Linken so in die Höhe, als würde er sofort auf jemanden oder etwas einschlagen wollen. Marvin hörte verschiedene Stimmen in seinem Kopf “Geh zurück und sag es den anderen!” “Alleine hier ist viel zu gefährlich” “Das musst Du aufnehmen!”. Er war hin- und hergerissen, aber schließlich überwog seine Neugier. Mit der Taschenlampe in der Hand und der Action-Cam am Kopf ging er vorsichtig die enge Wendeltreppe hinunter. Bei manchen Schritten hörte er ein Geräusch, als würde Sand rieseln. “Es wird schon nichts passieren” versuchte er sich zu beruhigen und folgte der Treppe in die Tiefe. Es ging weiter und weiter nach unten immer im Kreis herum. Dann kam er in einem Gang an, der weit geradeaus führte. “Der Gang muss in den Fels gehauen worden sein!” dachte er und leuchtete nach vorne. Der Gang musste unheimlich lang sein, denn das Licht seiner nicht gerade schwachen Taschenlampe konnte nicht bis zu Ende leuchten - auch dort war es dunkel. Überrascht stellte er fest, dass wenige Meter vor ihm eine Nische in den Fels gehauen worden war, in dem sich ein Kasten befand. Von diesem ging ein Kabel aus, das an der Decke des Ganges entlangführte. Eine Stromleitung? Der kleine Kasten war abgeschlossen. Er ging den Gang weiter und hatte die Welt um sich herum komplett vergessen. Jetzt fühlte er sich wieder wie Indiana Jones auf Erkundungstour. Am Ende des dunklen Ganges führte eine Steigleiter nach unten, deren Sprossen in den Fels gehauen worden waren. Plötzlich hörte er dumpfe Stimmen. “Nein, nicht!” Leise drang die ältere Frauenstimme in Florians Ohren. Er blickte nach unten, von wo sie gekommen war. Direkt vor ihm kniete eine alte Frau mit weißen lockigen Haaren, die ihren Kopf ruckartig zur Seite gedreht hatte, da sie das Licht seiner Taschenlampe so blendete. Sie hatte ihre Hände zum Schutz über ihren Kopf gehalten. “Bitte tu mir nichts! Ich werde auch nicht mehr klopfen!” Langsam gewöhnten sich ihre Augen an das Licht und sie drehte den Kopf vorsichtig nach vorne. Florian warf die Holzleiste zur Seite und leuchtete weiter nach unten, so dass sie nicht mehr geblendet wurde. “Wer…wer bist Du?” fragte sie. “Sie sind Morna Drysdale, richtig?” fragte Lea, die mittlerweile zur Tür gekommen war. “Ja, Morna Drysdale. Aber wer seid ihr?” Die Frau, die sie auf etwa achtzig Jahre schätzten, sah so aus wie die Frau in den Zeitungsartikeln. “Arbeitet ihr für sie?” fragte sie die beiden. “Für wen? Für die ältere Dame, die sich hier für sie ausgegeben hat?” “Heather. Heather… ach ich weiß es nicht mehr.” Sie stand vorsichtig auf. Lea stützte sie. Sie wirkte etwas benommen. “Finlay. Heather Finlay!” sagte sie. “So hieß die Frau, die sich hier für sie ausgegeben hat?” fragte Lea. “Oh, hat sie das. Dieses…” Sie ballte die rechte Hand zur Faust. “Miststück! Wenn ich die erwische.” Sie drehte sich um, so als schien sie etwas zu suchen. “Könnt ihr mir meinen Gehstock geben? Der muss hier irgendwo sein.” “Komme sie erst einmal heraus. Ich finde den bestimmt” sagte Florian. Lea half ihr dabei, aus dem Bunker zu kommen. Es war ein nicht sehr großer Bunker mit einem kleinen Tisch, einem Regal mit Lebensmitteln, einem kleinen Bett. Er konnte keinen Gehstock finden. Er verließ den Bunker und sah im Regal neben der Tür nach. Unter einigen kleinen Pappschachteln sah er in liegen. Er nahm in und eine der Pappschachteln fiel auf den Boden. Er hob sie auf. “Diazepam” stand darauf. “Hat sie ihnen Beruhigungsmittel gegeben?” fragte er Mrs. Drysdale. “Ich denke ja. Ich war immer so müde und habe sehr lange geschlafen.” “Nun gehen wir erst einmal in ihr Haus, in Ordnung?” fragte Lea. “Ja, vielen vielen Dank!” sagte sie, nahm den Gehstock und ging mit den beiden nach oben. Wieder quietschte die Tür, als sie sie öffneten. Die Dunkelheit drinnen wich der Dunkelheit draußen. Auf dem Weg ins Haus erklärten die beiden ihr, warum sie dort im Haus waren und was bisher geschehen war. Von der Dunkelheit berichteten sie ihr jedoch nicht, da sie fürchteten es könne in der aktuellen Situation zu viel für sie sein. Im Haus angekommen setzten sie sich in das Wohnzimmer. Lea und Florian nahmen ihre Rucksäcke ab und stellten sie in eine Ecke. Florian schaltete das Licht ein und die alte Dame setzte sich in einen alten Sessel. “Kannst Du mir bitte ein Glas Wasser bringen, Kind?” fragte sie und blickte Lea an. “Natürlich, gerne” sagte sie und war in die Küche verschwunden. “Was ist denn genau passiert?” fragte Florian. “Sie hat hier seit ein paar Wochen für mich als Haushälterin gearbeitet. Du siehst ja ich bin alt und kann nicht mehr so viel machen wie ich gerne würde.” Florian nickte. “Und was ist dann passiert?” “Eines Tages kam sie zu mir und wollte alles von einem Schatz wissen. Aber hier gibt es keinen Schatz. Nur etwas, das unbedingt allein gelassen werden muss” sagte sie. “Verstehst Du?” Sie beugte sich nach vorne. “Nicht so ganz” antwortete Florian. Lea reichte ihr ein Glas Wasser. “Danke, liebes Kind!” sagte sie und trank einen Schluck. “Wie kam es dazu, dass sie sie im Keller des Herrenhauses eingesperrt hat?” fragte er. “Irgendwann muss ich ihr doch einmal etwas zu dem Geheimnis von Drysdale Manor gesagt haben, aber ich erinnere mich nicht mehr daran.” Sie nahm noch einen Schluck. Langsam wirkte sie wacher. “Dann drängte sie mich, ins Herrenhaus zu gehen und mit ihr in den Keller. Und dann erinnere ich mich nur noch daran, dass ich aufgewacht bin und es dunkel war und ich in dem Bunker eingesperrt war.” “Wann war das in etwa?” wollte Lea wissen. “Ich weiß es nicht genau, vor ein paar Tagen würde ich sagen.” “Wisst ihr denn, wo sie jetzt ist?” fragte sie. Florian überlegte einen Moment und sah Lea an, die ihm andeutete, nichts zu sagen. “Sie ist tot” sagte er. Lea schüttelte aus Unverständnis leicht den Kopf. “Tot? Wie ist das passiert?” wollte die Dame wissen. “Das wissen wir nicht. Wir haben sie tot vor dem Eingang des Mausoleums gefunden.” Mrs. Drysdale seufzte. “Dieses dumme Ding!” “Ja, das war sie wohl” sagte Florian. “Wir haben dann im Mausoleum gesucht nach etwas, das uns das alles erklären konnte, aber wir haben nichts gefunden” erklärte er ihr. Sie sank unvermittelt tiefer in den Sessel. “Ihr…ihr wart im Mausoleum? Wart ihr auch in der Gruft?” “Ja, aber wir haben nichts besonderes gefunden” beantwortete Florian die Frage. “Mein Freund Marvin ist gerade noch da und sieht sich da genauer um” ließ Lea sie wissen. Wie vom Blitz getroffen ließ sie das Wasserglas fallen, das mit einem lauten klirren auf den alten Fußboden fiel und zersprang. “Nein! Nein! Ihr dürft nicht…” Sie war plötzlich wie verändert. “Das Tor darf nicht geöffnet werden!” schrie sie unerwartet laut und Lea erschrak regelrecht. Lea, die sich sofort Sorgen um Marvin machte, war aufgestanden und wollte zum Mausoleum laufen. Doch Florian hielt sie zurück. “Lass mich durch! Wir müssen zu Marvin!” Florian zog sie zur Seite. “Die ist doch total verrückt!” sagte er und versuchte sie davon zu überzeugen, dass alles in Ordnung war. “Und was, wenn nicht?” sagte Lea und drängelte sich an ihm vorbei. Sie lief aus dem Haus hinaus. “Wir kommen gleich wieder, Mrs. Drysdale. Alles wird wieder gut!” Dann verließ er ebenfalls das Haus und lief Lea hinterher. Er hatte sie schnell wieder eingeholt. Schon bevor sie am Mausoleum angekommen waren riefen sie nach Marvin. Auch auf dem Weg hatte Lea ihn schon gesucht. Sie erhielten keine Antwort. Als sie dort angekommen waren und ihn im ersten Raum nicht gefunden hatten stiegen sie in die Gruft hinunter. In der Mitte der Gruft war ein Sarg verschoben worden. Sie blickten in ein dunkles Loch. “Marvin! Marvin?” Lea schrie so laut, dass sie meinte, man müsse es bis zum Herrenhaus hören. Sie erhielten immer noch keine Antwort. “Ich gehe runter!” sagte Florian. “Und Du bleibst hier.” “Ich bleib doch hier nicht alleine! Und ich will zu Marvin!” entgegnete Lea. Nach kurzem Überlegen nickte Florian. Er hätte Lea sowieso nicht davon abhalten können.”Ich gehe aber voran!” sagte er bestimmt und trat auf die erste Stufe. Sie folgten der Wendeltreppe nach unten und riefen weiter nach Marvin. Der Schein ihrer Taschenlampen ließ die Feuchtigkeit an den Wändern glitzern. Ein modriger Geruch stieg ihnen in die Nase. Der Weg führte weit nach unten und sie liefen schneller. Ab und zu knirschte der Boden unter ihnen. Ungeachtet dessen liefen sie weiter. Plötzlich spürten sie eine starke Erschütterung und große Steine fielen von oben auf die Treppe. Die Treppe krachte in sich zusammen. Sie liefen schneller und schafften es gerade noch rechtzeitig, in den langen Gang zu gelangen, bevor der Eingang, der zuvor noch eine Wendeltreppe darstellte, zu einem großen Haufen Steine zusammenfiel. Sie waren gefangen!

Kapitel 8: Heather Finlay

Veröffentlicht: 8. Oktober 2019 Mittwoch, 2. Oktober 2019 Ich habe sie heute mit einem Trick dazu gebracht, ins Herrenhaus zu gehen. Den Bunker hatte ich schon vor ein paar Tagen vorbereitet. Es soll ihr ja gut gehen und nichts passieren, aber herauskommen soll sie nicht. Sie hatte ja schon mehrmals gedroht, mir zu kündigen. Aber wer will sonst schon in der Einsamkeit hier für sie arbeiten? Jedenfalls habe ich sie dann in den Bunker gesperrt, damit sie niemanden kontaktiert. Das hatte sie schon oft versucht! Einmal konnte ich sie gerade noch davon abhalten, ihren Enkel in Australien anzurufen. Wobei ich nicht wirklich glaube, dass der irgendwas gemacht hätte. So wenig, wie er sich um sie kümmert! Ich wollte erst Beruhigungsmittel besorgen - was gar nicht so einfach gewesen wäre - aber dann fand ich noch genug in einem Schrank im Schlafzimmer. Sie hat sich gewehrt, als ich sie in den Bunker einsperren wollte, aber etwas Beruhigungsmittel habe ich ihr unter ihre normalen Tabletten gemischt. Jedenfalls muss sie erst einmal weggesperrt bleiben. Ich denke nur für ein paar Tage. Mal sehen, was der Morgen bringt. Donnerstag, 3. Oktober 2019 Ich war auf dem Dachboden. Den Schlüssel dazu habe ich auch gefunden. Sie hat wohl nicht damit gerechnet, dass ich in der alten Standuhr nachsehe. Ich bin auf den Dachboden gegangen und fand dort zuerst nichts besonderes. Aber in einem großen Schrank in der Ecke fand ich einen alten religiösen Anzug oder so etwas in der Art. Sah ziemlich seltsam aus. In einer der Jackentaschen fand ich dann einen seltsamen Schlüssel. Darauf war das Symbol einer Waage abgebildet. Allerdings kenne ich keine Tür in diesem oder dem Herrenhaus, die ich - bis auf den Dachboden - bisher nicht öffnen konnte. Natürlich habe ich den Schlüssel wieder in der Standuhr versteckt. Heather, Du bist so gut! Ich stehe aber wohl kurz davor, das Geheimnis zu lüften. Ich weiß, dass der Schatz irgendwo im Mausoleum zu finden sein muss. Nachdem ich einige alte Dokumente und die Karte vom Labyrinth gefunden hatte musste ich nur noch den Eingang finden. Mrs. Drysdale war wenig kooperativ. Vor einigen Tagen noch hatte sie abgestritten, dass es hier einen Schatz geben würde, nachdem sie mir schon vor einigen Wochen davon erzählt hatte. Vermutlich hatte sie dies einfach vergessen. Aber so leicht kann man eine Heather Finlay nicht für dumm verkaufen! Wie nannte sie dies damals? Sie hatte von einem Schatz gesprochen, der in dieser Welt einzigartig sei und sehr wichtig und wertvoll. Vermutlich ist das der Familienschatz der Drysdales, der schon seit Generationen weitergegeben wird. Und ich werde ihn finden! Freitag, 4. Oktober 2019 Zwei junge Männer und eine junge Frau standen auf einmal vor mir, als ich ins Herrenhaus gehen wollte, um nach Mrs. Drysdale zu sehen! Das war ein Schock! Zuerst wollte ich sie wegschicken, aber dann verstand ich den Text in der Gruft endlich: “Feuer und Wasser werden Dir den Weg weisen und sind der Schlüssel Deiner Reisen”. Einer der drei hatte rote Haare und blaue Augen - genau so wie der Mann von Mrs. Drysdale! Ich bin der Lösung des Rätsels ganz nah! Und wenn ich ihn benötige, um weiterzukommen, werde ich ihn schon irgendwie dazu bekommen, mir zu helfen. So einfach wie mit Mrs. Drysdale wird das jedenfalls nicht. Samstag, 5. Oktober 2019 Ich war heute kurz in Aberdeen, um Lebensmittel einzukaufen. Dabei habe ich noch einen Abstecher in die Bibliothek gemacht. Ich habe zwar einige Bücher finden können, in denen über das Haus geschrieben wird, aber außer Gerüchten und Vermutungen nichts. Das waren schön verschwendete Stunden! Dann habe ich noch weiter im Mausoleum gesucht, bis es Nacht war. Ganz schön gruselig! Mrs. Drysdale hat schon wieder rebelliert! Auch wenn ich sie in den Bunker gesperrt habe bedeutet das nicht, dass die drei sie nicht hören können, wenn sie im Haus herumlaufen! Am schlimmsten war es, als ich gerade wieder bei ihr war. Sie hatte mehrfach gegen die Bunkertür geschlagen. Als ich dann die Tür öffnete rief sie laut um Hilfe. Ich habe sie dann wieder auf das Bett gelegt und ihr ihre Tabletten verabreicht. Die Kellertür halte ich aber immer verschlossen, so dass sie da auch nicht erst in die Nähe kommen können. Aber ich fürchte doch, dass man es von außen hören kann. Als ich gerade noch einmal auf dem Dachboden war fand ich in einer Truhe in einem doppelten Boden einen handgezeichneten Plan des Geländes. Darauf war auch das Mausoleum eingezeichnet und die Gruft. Man konnte sogar die aufgestellten Särge erkennen! Auf einem der Särge in der Mitte war eine Waage eingezeichnet! Das konnte ich auch nur mit der Lupe erkennen. Ich habe den Zugang endlich gefunden! Ich bin so glücklich!

Kapitel 9: Die Bibliothek des Bösen

Wird veröffentlicht: bald
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